Mit über 125.200 gestohlenen Fahrzeugen im Jahr 2025 behält Frankreich seinen wenig beneidenswerten Titel als Champion der Autodiebstähle in Europa. Alle vier Minuten verschwindet ein Fahrzeug, die kriminellen Netzwerke organisieren sich und professionalisieren sich, was die Situation für Autofahrer und Versicherer alarmierend macht. Was kann man gegen dieses Übel tun, um sein Eigentum zu schützen?

Autodiebstähle in Frankreich: Ein wachsendes Übel

125.200 Diebstähle im Jahr 2025: Frankreich bleibt Europameister

Frankreich behält seinen traurigen Status als das am stärksten von Fahrzeugdiebstählen betroffene Land in Europa. Im Jahr 2025 verzeichnete das Innenministerium 125.200 Schadensfälle, was einem gestohlenen Fahrzeug alle vier Minuten entspricht. Diese alarmierende Zahl stellt Frankreich vor Italien und das Vereinigte Königreich, das von einer Intensivierung der elektronischen Methoden betroffen ist (94 % der Fälle), und lässt traditionelle Diebstahlsicherungen wie Relikte aus einer anderen Zeit zurück.

Seit 2018 analysiert Coyote Secure jährlich die Entwicklung dieser Kriminalität durch sein Observatorium für Diebstähle, gestützt auf die Erfahrung von 500.000 ausgestatteten Fahrzeugen. Obwohl das Gesamtvolumen der Diebstähle im Vergleich zu 2024 relativ stabil bleibt, entwickeln sich die Methoden und Netzwerke weiter. Es gibt weniger direkte Exporte außerhalb des Schengen-Raums (30 % der internationalen Operationen) und einen Aufschwung des „Make-up“ von Fahrzeugen, der mittlerweile 40 % der Fälle ausmacht.

Autodiebstähle in Frankreich: Ein wachsendes Übel

Elektronische Diebstähle, gezielte SUVs, grenzüberschreitende Netzwerke: Die Automobilkriminalität explodiert in Frankreich und wird immer teurer. © Coyote

Internationales Make-up: Die neue Strategie der Diebe

Die kriminellen Netzwerke haben sich an die verstärkte Überwachung angepasst. Der Export nach Nordafrika ist nicht mehr die Norm. Die gestohlenen Fahrzeuge werden nun in geheime Werkstätten transportiert, wo sie ein Make-up erhalten: Änderung der VIN-Nummer, Neutralisierung von Gravuren und Seriennummern. Das Ziel ist klar: Diese Fahrzeuge sollen auf dem europäischen Markt als vollkommen legal wieder integriert werden, insbesondere in Frankreich, wo der Gebrauchtwagenmarkt stagniert, während die Verkäufe neuer Fahrzeuge im Jahr 2025 um 5 % zurückgehen.

Eine direkte Folge dieser Entwicklung ist, dass die internationalen Rückführungen, die von Coyote Secure durchgeführt werden, innerhalb eines Jahres um 51,8 % zunehmen. Diese Operationen konzentrieren sich hauptsächlich auf Grenzgebiete: Belgien (50 %), Deutschland (20 %), Spanien (10 %) und die Niederlande (5 %). Einmal gestohlen, wird ein Fahrzeug in der Regel innerhalb weniger Stunden in eine geheime Garage transferiert. Ohne ein proaktives Verfolgungssystem wird jeder Versuch der Rückführung nahezu illusorisch.

Autodiebstähle in Frankreich: Ein wachsendes Übel

Immer mehr gestohlene Fahrzeuge werden nun für den Verkauf im europäischen Raum „vollständig legal“ umgestaltet. © Coyote

Insgesamt beschlagnahmte Gegenstände steigen: Kriminelle Plattformen im Freien

Coyote Secure entdeckt immer häufiger echte „Gasfabriken“ während seiner Einsätze. Im Jahr 2025 steigen die insgesamt beschlagnahmten Gegenstände, d.h. die zufällige Entdeckung zusätzlicher Fahrzeuge am selben Standort, um 18,6 %. Diese Entdeckungen offenbaren schwere logistische Strukturen, die oft mit dem Drogenhandel verbunden sind. Paradoxerweise haben die großen Anti-Drogen-Operationen im Jahr 2025 den Druck der Polizei erhöht, aber auch die Wachsamkeit der Diebstahlnetzwerke, die sich reorganisieren, um die Kontrollen zu umgehen.

Eine explodierende Rechnung

Die durchschnittlichen Kosten eines Schadensfalls im Zusammenhang mit einem Diebstahl haben sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt, mit einem Anstieg von 138 % laut France Assureurs. Diese Kosten sind nun doppelt so hoch wie die eines klassischen Sachschadens. Zwischen dem Anstieg der Preise für Neufahrzeuge, den Auswirkungen des ökologischen Malus und den zunehmend strengen Normen nähert sich die jährliche Rechnung 600 Millionen Euro. Diese Kosten schlagen sich direkt auf die Versicherten nieder, die mit einem durchschnittlichen Anstieg der Prämien von 5 % im Jahr 2026 rechnen müssen.

Eine im Oktober 2025 durchgeführte Studie von ViaVoice zeigt zudem ein massives Unwissen über die Garantien: 66 % der Autofahrer wissen nicht, welche Rückerstattungsbedingungen im Falle eines Diebstahls gelten. Noch besorgniserregender ist, dass acht von zehn nicht wissen, dass der ökologische Malus nicht zurückgeholt werden kann, was mehrere tausend Euro für den Kauf eines neuen Ersatzfahrzeugs bedeuten kann.

Eine Kriminalität, die nun digital, gezielt und geografisch strukturiert ist

Heute ist der Autodiebstahl in Frankreich vor allem ein digitales Phänomen. Laut Coyote Secure nutzen 94 % der Diebstähle mittlerweile elektronische Schwachstellen, sei es durch Mouse-Jacking über Schlüsselrelais, durch Hacken des OBD-Anschlusses oder durch Fernangriffe. Diese schnellen und unsichtbaren Methoden machen die meisten Originalschutzmaßnahmen, wie eingebaute Alarme, obsolet. Paradoxerweise sind es die neuesten und am stärksten vernetzten Fahrzeuge, die sich als die verwundbarsten erweisen.

Diese Raffinesse erklärt teilweise die hohe geografische Konzentration der Diebstähle. Île-de-France allein macht 50 % der von Coyote Secure erfassten Fälle aus, dank ihrer Fahrzeugdichte und ihrer Rolle als Logistik-Hub. Der Norden folgt mit 20 %, während der Groß-Ost eine Steigerung von 20 % im Jahresvergleich verzeichnet, die auf die unmittelbare Nähe zu Belgien und Deutschland zurückzuführen ist.

Autodiebstähle in Frankreich: Ein wachsendes Übel

© Coyote

SUVs und Hybride: Priorisierte Ziele

Die Entscheidungen der Diebe sind kein Zufall. Die SUVs dominieren die Statistiken und machen 70 % der Diebstähle aus, eine Zahl, die ihrem Gewicht auf dem französischen Automarkt entspricht. Hybride Fahrzeuge erleben ebenfalls einen spektakulären Anstieg: Sie machen nun 53 % der erfassten Diebstähle aus, mit einem geschätzten Risiko von 3,1 ‰. Leichte Nutzfahrzeuge folgen dem gleichen Trend und erreichen 11 % der Schadensfälle, was direkt ihren Nutzwert und Wiederverkaufswert widerspiegelt.

Ein weiteres bemerkenswertes Phänomen ist der Anstieg der Diebstähle von Wohnmobilen und Vans um 30 %. Ihr hoher Wert, der zwischen 60.000 und 120.000 Euro liegt, macht sie zu idealen Zielen für organisierte Netzwerke. Im Gegensatz dazu weisen 100 % elektrische Fahrzeuge ein sehr unterschiedliches Profil auf: Ihre Rückführungsquote liegt bei 100 %, da ihre begrenzte Reichweite schnelle Exporte ins Ausland stark erschwert.

Im Falle eines Diebstahls: Ein Wettlauf gegen die Zeit

In diesem Kontext ist der Zeitfaktor entscheidend. Die 9 % der nicht zurückgeholten Fahrzeuge erklären sich hauptsächlich durch schnelle Demontagen, die Entdeckung des Trackers durch die Diebe oder durch Brandstiftung. Nach 48 Stunden sinkt die Wahrscheinlichkeit der Rückführung um 90 %, was die Ausfuhr nahezu unvermeidlich macht.

Coyote Secure basiert seine Strategie auf diesem kritischen Zeitfenster. Seit 2018 beruht sie auf einer Kombination aus Technologie und menschlichem Eingreifen: einem Nano 2.0 Tracker mit einer Lebensdauer von fünf Jahren und neun eingebauten Technologien (GNSS, LTE-M, Sigfox, Wi-Fi, Störschutz, Eindringungserkennung…), gekoppelt mit einem Team von operativen Detektiven, die 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche im Einsatz sind. Im Jahr 2025 verzeichnet dieses System 91 % der Rückführungen innerhalb von 48 Stunden, darunter 93 % der unversehrten Fahrzeuge.

Mit rund zwanzig Partnerschaften mit Versicherern zielt Coyote Secure auf eine Reduzierung der Diebstahlquote um 80 %. Eine Herausforderung bleibt: die Sensibilisierung. Nur ein Drittel der Autofahrer ist heute ausgestattet, während zwei Drittel die tatsächlichen Grenzen ihrer Garantien noch nicht kennen.

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