Der #7-Bolide triumphierte, doch der Toyota #8 erlebte bei den 24 Stunden von Le Mans 2026 eine von Widrigkeiten geprägte Fahrt. Sébastien Buemi blickt auf die Zwischenfälle zurück, die seinem Team den Sieg kosteten – darunter Strafen, strategisches Pech und ein kleines loses Teil. Ein grausames Szenario für den Schweizer, der trotz Spitzenleistung nur auf dem dritten Platz landete.
Le Mans 2026: Ein geopfertes Qualifying, eine mutige Strategie
Von Beginn an war die Strategie von Toyota klar: Die Priorität lag auf dem Rennen, nicht auf der Qualifikation. Die beiden TR010 Hybrid-Prototypen starteten weit hinten im Feld, auf den Plätzen 14 und 15. Weit davon entfernt, eine Schwäche zu sein, war diese Position eine bewusste Entscheidung des japanischen Herstellers, der „keinen Wert auf die Qualifikation gelegt“ habe. Um dies auszugleichen, wählte das Team bereits in den ersten Stunden eine unkonventionelle Strategie. Beide Autos absolvierten ihren ersten Boxenstopp einige Runden vor ihren direkten Konkurrenten. Sébastien Buemi lieferte daraufhin eine Glanzleistung ab, fuhr schnelle Runden und nutzte eine Serie von „Undercuts“, um die Führung zu übernehmen und einen deutlichen Vorsprung von fast 30 Sekunden herauszufahren. Der #8 positionierte sich damit als ernsthafter Anwärter auf den Sieg.
Rennerwidrigkeiten: Strafen und Pech unter Safety Car
Doch das Rennen in Le Mans ist selten ein ruhiger Fluss. Nach mehreren Einsätzen des Safety Cars und „Slow Zones“ kippte das Szenario. Der Toyota #8 erhielt eine Strafe wegen überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse. Ein Detail zwar, das aber im Endergebnis schwer ins Gewicht fiel. „Wir hatten damit etwas Pech“, gesteht Buemi. „Der Geschwindigkeitsbegrenzer von 80 km/h in der Box hatte ein kleines Problem: Wir haben ihn um 0,1 oder 0,2 km/h überschritten. Deshalb bekamen wir einen Drive-Through.“ Hinzu kam strategisches Pech bei einer „Slow Zone“, die für das Team des #8 im ungünstigsten Moment aktiviert wurde, als es gerade auf der Strecke war. Diese Zwischenfälle kosteten wertvolle Zeit und brachten den Schwesterwagen #7, der schließlich gewann, in eine schwierigere Position.
Ein kleines technisches Problem mit großen Folgen
Der K.o.-Schlag folgte später im Rennen. Als der #8 nach 17 Rennstunden in Führung lag, trat ein technisches Problem auf: „Eine Schraube am Verkleidungsblech um die Carbon-Teile der Bremse hatte sich gelöst. Das begann, die Felge zu beschädigen, also mussten wir reparieren, und wir verloren in diesem Moment eine Minute.“ Dieser verlängerte Stopp, der die gesamte Boxenzeit auf 45 Minuten und 36 Sekunden erhöhte (gegenüber 42’56“ für den #7 und 41’17“ für den BMW #20), war teuer. Brendon Hartley, der zu diesem Zeitpunkt am Steuer saß, fiel auf 22 Sekunden hinter den Führenden zurück. Ein Rückstand, den Sébastien Buemi trotz seiner Spitzenleistung letztlich nicht mehr aufholen konnte.
Entscheidungen der Rennleitung, die Fragen aufwerfen
Über die Rennereignisse hinaus äußerte Sébastien Buemi einige Vorbehalte bezüglich bestimmter Entscheidungen der Rennleitung. „Es ist manchmal schwierig zu verstehen, wie sie zwischen Safety Car, Slow Zone und Full Course Yellow wählen“, gesteht er. „Man hat manchmal das Gefühl, es handelt sich um denselben Vorfall, oder fast. Aber einmal ist es ein Safety Car und ein anderes Mal ein Full Course Yellow.“ Diese Frage betrifft insbesondere den ersten Einsatz des Safety Cars, der gegen Mitternacht ausgelöst wurde, nachdem ein LMGT3 in einem Kiesbett stecken geblieben war – eine Entscheidung, die bereits für Verwirrung sorgte.
Die Enttäuschung über einen verpassten Sieg, der Stolz über die Rückkehr
Trotz der Enttäuschung, den Sieg entgleiten gesehen zu haben, äußerte Sébastien Buemi seine Zufriedenheit darüber, dass Toyota nach drei aufeinanderfolgenden Siegen von Ferrari wieder nach Le Mans zurückgefunden hat. „Das zeigt, dass wir diesmal alle geschlagen haben, und es gibt keine Diskussion“, betont der Schweizer Pilot. Er erinnerte daran, dass die früheren Erfolge der Marke in einem Kontext mit manchmal weniger starker Konkurrenz erzielt worden waren. „Heute alle diese Teams zu schlagen, bringt mehr Anerkennung.“ Der Toyota #8 beendete das Rennen schließlich auf dem dritten Platz, 20,417 Sekunden hinter dem Sieger und 9,504 Sekunden hinter dem zweitplatzierten BMW #20. Ein Podium, das den bitteren Geschmack eines verpassten Sieges hat, aber die wiedergefundene Stärke von Toyota in der Hypercar-Klasse bestätigt.
Was man von den 24 Stunden von Le Mans 2026 für Toyota mitnehmen muss
- Mutige Strategie: Toyota opferte die Qualifikation, um auf eine aggressive Rennstrategie zu setzen, die sich zu Beginn des Rennens auszahlte.
- Wiederkehrendes Pech: Der #8 sammelte Strafen (Geschwindigkeit in der Box) und „Slow Zones“ zum ungünstigsten Zeitpunkt.
- Kostspieliges technisches Problem: Eine gelöste Schraube an der Bremsenverkleidung führte zu einem Verlust von einer Minute und einem verlängerten Stopp.
- Verschärfte Konkurrenz: Der #8 musste sich gegen eine dichtere Konkurrenz behaupten, insbesondere gegen den BMW #20.
- Verdienter Sieg für den #7: Trotz der Widrigkeiten seines Schwesterautos siegt der Toyota #7, was eine wichtige Rückkehr für den japanischen Hersteller markiert.
- Strategische Fragen: Die Wahl der Neutralisationen (Safety Car, Slow Zone) wirft bei den Fahrern weiterhin Fragen auf.




