Ducati, der König des MotoGP, steht vor einem entscheidenden Wendepunkt. Während die neuen Vorschriften am Horizont auftauchen, bemüht sich der italienische Hersteller, zwischen Einschränkungen und Innovation zu navigieren. Claudio Domenicali, sein CEO, verbirgt nicht seine Ambition: die Dominanz der Desmosedici aufrechtzuerhalten und sich gleichzeitig für 2027 neu zu erfinden.
Eine mutige Vision für 2027
In den letzten Jahren hat Ducati es verstanden, von der MotoGP-Regelung zu profitieren, indem es sich als Vorreiter in der Interpretation der Regeln und der Einführung innovativer technischer Lösungen positioniert hat. Während der aktuelle Regelzyklus zu Ende geht, bleibt Claudio Domenicali, der Chef der Marke, entschlossen, diese Exzellenz aufrechtzuerhalten. Mit unerschütterlichem Mut begeistert er sich bereits für die Idee, „das Rezept zum Gewinnen im Jahr 2027 zu finden“. Das ist nicht einfach ein Werbeslogan; es ist ein echter Aufruf zum Handeln.
Domenicali blickt also auf 2027, einen entscheidenden Zeitpunkt, an dem er hofft, die Dominanz von Ducati in einer Meisterschaft zu stärken, in der vier andere Marken engagiert sind. „Als wir den ersten Titel mit Pecco [Bagnaia] gewonnen haben, habe ich gesagt, dass ich einen Zyklus von fünf Jahren eröffnen möchte, wie es Michael [Schumacher] bei Ferrari getan hat, der einen außergewöhnlichen Weg gegangen ist.“ Diese Ambition ist nicht nur ein einfacher Traum, sondern eine Herausforderung, die der Hersteller mit Bravour annehmen will.
Auf zu völlig neuen Motorrädern
Die aktuelle Saison markiert das Ende dieses Zyklus, und die nächste Herausforderung für Ducati besteht darin, neue Höhen zu erreichen. „Für das nächste Jahr werden die Motorräder völlig neu sein“, betont Domenicali. Die Rennabteilung, geleitet von Gigi [Dall’Igna] und Davide Barana, arbeitet bereits daran, eine Maschine zu entwerfen, die den Anforderungen der neuen Regeln gerecht wird. Der Druck ist hoch, aber das Innovationspotenzial ist enorm.
Ein Vorreiter, der sich neu erfinden muss
Bis heute ist Ducati zusammen mit Aprilia die einzige Marke, die keinen Prototypen gemäß der Regelung 2027 getestet hat. Während KTM im Dezember die privaten Tests eröffnet hat, gefolgt von Honda und Yamaha, bleibt Ducati in der Beobachtungsphase. Jeder Hersteller muss nun zwischen der Weiterentwicklung der aktuellen Maschinen und der Entwicklung der zukünftigen MotoGP-Modelle mit 850cc jonglieren.
Die neuen Regeln werden die Ingenieure zwingen, ihren Ansatz in Bezug auf Leistung zu überdenken. Tatsächlich müssen sie ohne die Höhenversteller auskommen, eine Technologie, in der Ducati Pionierarbeit geleistet hat. Auch die aerodynamischen Anbauteile, die ebenfalls reduziert werden, werden ein weiteres Gebiet sein, in dem der italienische Hersteller Kreativität beweisen muss.

Claudio Domenicali, CEO von Ducati
„Verschiedene Dinge, die Ducati eingeführt hat, wurden aus den Vorschriften gestrichen, insbesondere die Systeme zur Hinterradverstellung“, erinnert sich Domenicali. „Wir waren die ersten, die erkannten, dass es in diesem Bereich eine Möglichkeit gab, und wir haben einen Vorteil erlangt.“
Er spricht auch von einer früheren Erfahrung: „Wir hatten bereits 2001 in der Superbike eine ähnliche Situation mit einer variablen Einstellung am Hinterrad getestet. Ebenso hatten wir bereits 2008 kleine Flügel; wenn Sie ins Museum gehen, werden Sie ein Motorrad von Nicky Hayden sehen.“ Die Geschichte ist reich, aber die Zukunft verspricht ebenso spannend zu werden.
Eine regulatorische und politische Herausforderung
Domenicali verbirgt nicht sein Amüsement über die neuen Einschränkungen: „Aus regulatorischer und politischer Sicht gibt es einen Versuch, die Regeln so einfach wie möglich zu gestalten, um zu vermeiden, dass Ducati wieder etwas Seltsames erfindet!“ Seine gute Laune ist spürbar, aber er bleibt realistisch. „Unsere Teams sind clever, also werden wir sehen, ob wir etwas in den Ecken der Vorschriften finden.“
Am Ende werden diese zukünftigen Motorräder einfacher sein, was die Innovationen einschränken könnte. „Es wird also darauf ankommen, wer die besten Intuitionen hat“, schließt er. Ein Satz, der wie eine Warnung an die anderen Marken klingt: Ducati wird sich nicht so leicht unterkriegen lassen.
Eine kollektive Dynamik in die Zukunft
Diese Herausforderung, obwohl kolossal, ist auch eine Quelle der Motivation für alle Teams von Ducati. Der Wille, die durch die Vorschriften auferlegten Hindernisse zu überwinden, ist ein integraler Bestandteil der DNA der Marke. Tatsächlich stellt jede Herausforderung eine Gelegenheit zur Innovation und Verbesserung dar.
Während sich die Welt des MotoGP auf neue Normen zubewegt, scheint Ducati bereit zu sein, die Herausforderung mit Entschlossenheit anzunehmen. Der Weg nach 2027 wird mit Hindernissen gespickt sein, aber mit einem leidenschaftlichen Team und visionärer Führung könnte die Marke weiterhin auf den Rennstrecken der Welt glänzen.



