Esteban Ocon erlebte beim Sprintrennen in Kanada einen besonders bitteren Nachmittag. Weit von den Punkterängen entfernt und ausgebremst von einem schwächelnden Auto, musste der Franzose eine ernüchternde Wahrheit eingestehen: Ein eigentlich als leistungsschwächer geltendes Fahrzeug war schneller als sein eigener Haas. Diese Situation unterstreicht die tiefgreifenden Probleme des amerikanischen Teams zu Beginn der Saison 2026.
Der Große Preis von Kanada 2026 wird für Esteban Ocon und das Haas-Team wohl kaum als Erfolg in die Geschichtsbücher eingehen. Das kurze, aber intensive Sprintrennen legte die Schwächen des amerikanischen Boliden schonungslos offen und verwies den französischen Piloten auf einen unauffälligen 13. Platz. Die Hoffnung auf einen Top-8-Platz zerplatzte schnell und wich der brutalen Erkenntnis: Der Haas VF-26 hat Mühe, selbst mit Konkurrenten mitzuhalten, die eigentlich als angeschlagen gelten.
Haas: Die Pleite nach 23 Runden
Von Position 14 gestartet, konnte Esteban Ocon zunächst eine kleine Illusion aufrechterhalten. Dank der üblichen Schwierigkeiten einiger Teams beim Start gewann er direkt zwei Plätze. Rang 11 war zwar weit von den Punkterängen entfernt, doch die Pace ließ nichts Gutes erahnen. Das eigentliche Problem zeigte sich dann deutlich: Der Abstand zur Top 10 wuchs unaufhaltsam, die Sekunde pro Runde wurde locker überschritten. Der Haas schien am Boden festgenagelt und unfähig, dem hohen Tempo der Spitzenautos zu folgen.
Pérez: Der Geist des Cadillac
Das beunruhigendste Szenario ereignete sich, als Esteban Ocon plötzlich Sergio Pérez im Cadillac unter Druck geriet. Zwar war das mexikanische Auto mit weicheren Reifen unterwegs, was einen Vorteil in Sachen Grip bot, doch die Fähigkeit des amerikanischen Autos, das oft als eines der leistungsschwächsten im Feld 2026 gilt, im Windschatten des Haas zu bleiben, wirft Fragen auf. Während 20 der 23 Runden verlief das Duell anders als erwartet: Nicht Pérez wurde von Ocon aufgehalten, sondern umgekehrt.
Der konstante Druck des Cadillac-Piloten zermürbte schließlich die Konzentration des Franzosen. In Runde 20 kostete ein Fehler in Kurve 8 Ocon teuer, er fiel auf den 15. Platz zurück. Zwar spülten spätere Strafen gegen Pérez und Nico Hülkenberg ihn im Endergebnis wieder zwei Positionen nach vorne, doch der bittere Nachgeschmack der unzureichenden Leistung blieb.

Esteban Ocon (Haas)
Ocon: Das Eingeständnis der Ohnmacht
Im Gespräch mit Canal+ verschleierte Esteban Ocon seine Enttäuschung und die Realität der Situation nicht. Auf die Frage, ob er vom Cadillac ausgebremst worden sei, lautete seine unmissverständliche Antwort: „Ach nein, er wurde von uns ausgebremst. Pérez war schneller als wir, und deshalb mache ich einen Fehler und lasse ihn vorbei.“ Ein Eingeständnis, das wenig über den Mangel an Wettbewerbsfähigkeit des Haas aussagt.
Der Fahrer detaillierte die aufgetretenen Schwierigkeiten: „Wir waren wirklich nicht schnell. Während dieses Rennens haben wir die Hinterreifen stark abgenutzt und hatten große Probleme, über die Randsteine zu fahren. Leider mache ich diesen Fehler, weil ich versuche, zu 100 % zu attackieren, um sie hinter mir zu halten.“ Der Fehler in Kurve 8, der den Verlust von vier Plätzen bedeutete, verdeutlichte die Anfälligkeit des Haas-Pakets unter Druck.
Bearman und die Neuerungen: Ein Wochenende zum Vergessen
Das Kanada-Wochenende für Haas entpuppt sich als komplette Katastrophe. Abgesehen von Ocons Widrigkeiten glänzte auch Oliver Bearman, der als einziger Fahrer in diesem ersten Teil des Wochenendes von den neuesten technischen Entwicklungen profitierte, nicht. Deutlich im Qualifying geschlagen, musste der junge Brite nach Einstellungsänderungen vom Boxengasse starten und beendete das Rennen schließlich auf dem 18. Platz. Die Neuerungen, die das Team wiederbeleben sollten, haben bisher nicht die erhofften Früchte getragen und fügen einer bereits kritischen Situation eine weitere Schicht der Besorgnis hinzu.
Das Urteil: Ein Haas in der roten Zone
- Leistung: Der Haas VF-26 zeigt ein klares Leistungsdefizit und ist unfähig, mit der Mehrheit des Feldes zu konkurrieren.
- Reifenmanagement: Zu schneller Verschleiß der hinteren Reifen und Schwierigkeiten im Umgang mit den Randsteinen beeinträchtigen das Renntempo.
- Entwicklungen: Die eingeführten technischen Neuerungen haben noch nicht den erhofften Gewinn gebracht und vergrößern den Abstand zu den Konkurrenten.
- Moral: Die aktuelle Situation belastet die Moral der Truppe, wie Ocons Eingeständnis der Ohnmacht zeigt.
- Aussichten: Ohne eine schnelle und signifikante Verbesserung wird die Saison 2026 für Haas lang und schwierig.
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