Alfa Romeo verabschiedet sich bei Giulia und Stelvio von der Idee eines schnellen Sprungs ins reine Elektrozeitalter. Stattdessen setzt die Marke für die nächste Modellgeneration auf mehrere Antriebsarten – vom Hybrid bis zum vollelektrischen Modell.

Alfa Romeo plant für Giulia und Stelvio einen Mix aus Hybrid und Elektro

Hinter dieser Kurskorrektur steckt weniger ein Strategiewechsel als nüchterne Marktrealität. Die Entwicklung läuft in Europa, China oder den USA nicht im selben Tempo, und genau darauf will Alfa Romeo künftig flexibler reagieren. Entscheidend ist aus Sicht der Italiener nicht ein theoretischer Fahrplan, sondern ein Angebot, das vor Ort wirklich nachgefragt wird.

Mehr Spielraum für die nächsten Giulia und Stelvio

Alfa-Romeo-Chef Santo Ficili hat die Richtung gegenüber Autocar klar umrissen: Giulia und Stelvio sollen nicht auf eine einzige Technik festgelegt werden. Die künftigen Modelle sollen je nach Markt mit BEV-, ICE- oder PHEV-Antrieben angeboten werden.

Alfa Romeo plant für Giulia und Stelvio einen Mix aus Hybrid und Elektro

Für die Marke ist das ein pragmatischer Schritt. Der Elektroantrieb bleibt Teil des Plans, aber eben nicht als Einheitslösung für alle Regionen. Gerade im Premiumsegment ist das relevant, weil Kunden dort nicht nur über den Antrieb entscheiden, sondern auch über Fahrgefühl, Nutzung und Alltagstauglichkeit.

STLA Large schafft Flexibilität, kostet aber Zeit

Technische Basis der neuen Giulia und Stelvio wird STLA Large. Die Plattform ist zwar für Elektrofahrzeuge ausgelegt, kann aber auch andere Antriebskonzepte aufnehmen, darunter Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Lösungen. Genau diese Bandbreite gibt Alfa Romeo den nötigen Handlungsspielraum.

Die Kehrseite: Für die Anpassung war zusätzliche Entwicklungsarbeit nötig, was den Zeitplan nach hinten verschoben hat. Im Premiummarkt ist das kein Randthema, denn während Alfa Romeo noch an der neuen Generation arbeitet, sind Rivalen wie die BMW 3er-Reihe, die Mercedes-Benz C-Klasse, der BMW X3 oder der Mercedes-Benz GLC längst etabliert.

Größerer Auftritt, aber der Fahrspaß muss bleiben

Die nächsten Generationen sollen zudem wachsen. Damit verschiebt sich auch ihre Rolle im Markt: Die Giulia dürfte sich klarer im Segment der Premium-Limousinen positionieren, der Stelvio im Kreis der Mittelklasse-SUV. Mehr Außenmaß kann für mehr Präsenz sorgen, verändert aber immer auch die Erwartungen an das Auto.

Genau hier wird es für Alfa Romeo heikel. Ein größeres Auto darf nicht an Agilität verlieren, wenn es die Marke nicht verwässern soll. Fahrwerk, Lenkgefühl und Bremsstabilität bleiben daher zentrale Punkte – und daran wird sich die neue Generation messen lassen müssen.

Breitere Antriebspalette unter der Haube

Nach bisher bekannten Informationen sollen die Einstiegsvarianten mit Vierzylinder-Turbo und Mildhybridisierung kommen. Darüber hinaus sind Plug-in-Hybride im Gespräch, die einen 1,6-Liter-Motor mit einem Elektromotor an der Hinterachse kombinieren könnten.

Das ist für Alfa Romeo kein Abschied vom Verbrenner, sondern ein abgestufter Übergang. Für Kunden bedeutet das mehr Auswahl zwischen Verbrauch, Reichweite und elektrifiziertem Fahren. Für die Marke ist es die Chance, in Märkten präsent zu bleiben, in denen der Umstieg auf reine Stromer noch nicht überall gleich weit fortgeschritten ist.

Quadrifoglio bleibt Teil des Plans

Auch die sportlichen Quadrifoglio-Versionen sollen nicht verschwinden. Nach jetzigem Stand sind ebenfalls elektrifizierte Lösungen vorgesehen, kombiniert mit weiterhin sehr hoher Leistung.

Im Raum stehen Werte von mehr als 670 ch, also rund 493 kW. Spekuliert wird außerdem über noch stärkere Ausbaustufen mit bis zu 1.000 ch, belastbar ist das aber nicht. Für eine Einordnung gilt daher: Die Aussagekraft solcher Zahlen bleibt vorerst begrenzt, entscheidend ist, dass Alfa Romeo seine sportliche Spitze nicht aufgibt.

Was Alfa Romeo mit diesem Kurs gewinnen will

Mit Giulia und Stelvio geht Alfa Romeo einen weniger dogmatischen Weg als ursprünglich erwartet. Die Marke hält sich beim Antrieb mehrere Optionen offen und passt sich damit stärker an unterschiedliche Märkte an, ohne die Elektrifizierung aus dem Programm zu streichen.

  • Alfa Romeo plant für Giulia und Stelvio keinen sofortigen Wechsel auf reine Elektroantriebe.
  • Vorgesehen sind Hybrid-, Plug-in-Hybrid- und 100-Prozent-Elektrovarianten.
  • Die STLA-Large-Plattform macht diese Flexibilität möglich, hat den Zeitplan aber verzögert.
  • Die neuen Modelle dürften größer ausfallen und sich klarer gegen die Premium-Konkurrenz positionieren.
  • Auch die Quadrifoglio-Versionen bleiben Bestandteil der Baureihe.
  • Die Markteinführung wird derzeit für 2027 mit dem Modelljahr 2028 erwartet.
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