Nach einem lauten Aufschrei über die Idee, für beheizte Sitze zu bezahlen, wagt BMW erneut das Abonnementmodell mit seinem iX3. Obwohl die bayerische Firma in einigen Aspekten zurückgerudert ist, gibt sie nicht ihre Absicht auf, bestimmte Funktionen durch Abonnements zu monetarisieren. Diese Entscheidung, obwohl umstritten, wirft Fragen zur Zukunft des vernetzten Automobils auf.

Ein neuer Ansatz nach dem Aufschrei über beheizte Sitze
Vor einigen Jahren hatte BMW für Aufregung gesorgt, als es versuchte, Abonnementgebühren für die Aktivierung von bereits in seinen Autos vorhandenen Ausstattungen, wie z.B. beheizten Sitzen, einzuführen. Diese Initiative wurde mit einem Aufschrei empfangen, der den Hersteller zwang, seine Strategie zu überdenken. Heute, mit dem neuen iX3, hat sich die Rhetorik weiterentwickelt, aber nicht so weit, wie man hoffen könnte. Die Produktkommunikationsleiterin, Alexandra Landers, gibt zu, dass der vorherige Versuch „wahrscheinlich nicht die beste Idee“ war. Dennoch werden die beheizten Sitze wieder zu einer klassischen Option, während andere Funktionen weiterhin unter einem Abonnementregime stehen.


BMW iX3: Nach den beheizten Sitzen kehren die Abonnements zurück © BMW
Gesperrte Funktionen: Ein Modell in voller Entwicklung
Trotz der vergangenen Kontroversen verzichtet BMW nicht auf die Idee, kostenpflichtige Optionen nach dem Kauf anzubieten. Der iX3 ist so konzipiert, dass alle Autos mit dem gleichen Hardware-Niveau vom Band laufen. Das bedeutet, dass alle Fahrzeuge mit Kameras, Radaren und Sensoren ausgestattet sind. Einige Funktionen, wie die 360°-Kamera und das Driving Assistant Pro-Paket, sind jedoch nur nach Zahlung eines Abonnements zugänglich. Ein Modell, das sich in Zukunft möglicherweise verbreiten könnte.

360°-Kamera und Driving Assistant Pro: Optionen im Abonnement
Die neuen Abonnementmodelle gliedern sich in zwei große Funktionsfamilien:
- 360°-Kamera: Das Auto ist mit den notwendigen Kameras ausgestattet, aber die Panoramaansicht und die Manövrieransichten sind nur zugänglich, wenn der Kunde die Option bei der Konfiguration gekauft oder ein Abonnement nachträglich aktiviert hat.
- Driving Assistant Pro-Paket: Ein Set fortschrittlicher Fahrassistenzsysteme, einschließlich adaptivem Tempomat und Spurhalteassistent. Auch hier ist die gesamte Hardware vorhanden, aber ihre Nutzung erfordert eine Softwareaktivierung.
In Australien kann ein Kunde beispielsweise die adaptive Federung für etwa 29 australische Dollar pro Monat nach einem kostenlosen Monat aktivieren. Andere Dienste, wie die Echtzeit-Verkehrsinformationen, werden ebenfalls weiterhin im Abonnement berechnet, was im aktuellen Automobilumfeld nicht überraschend ist.

Der BMW iX3, der mit großen Erwartungen erwartet wird, hat ernsthafte Argumente, um zu überzeugen, aber sein Abonnementmodell zur Nutzung bestimmter Funktionen könnte auf Widerstand stoßen. © BMW
Flexibilität und Kosten: Die Rechtfertigung von BMW
Um diese Strategie zu verteidigen, führt BMW zwei Hauptargumente an. Das erste ist wirtschaftlicher Natur: Einige Funktionen erfordern eine kontinuierliche Nutzung der Cloud, was zu wiederkehrenden Kosten führt. „Wenn Sie es nutzen, müssen wir bezahlen“, fasst die Marke zusammen. Logischerweise hält sie es für normal, dass die Kunden, die diese Dienste aktivieren, zu deren Finanzierung beitragen, anstatt diese Kosten auf alle Käufer umzulegen.
Das zweite Argument betrifft die Flexibilität. Viele Autofahrer verzichten bei der Bestellung auf bestimmte Optionen aus Budgetgründen oder weil sie denken, sie nicht zu benötigen. Mit diesem Modell können sie später zurückkehren und die Funktion aktivieren, während sie von OTA-Software-Updates (over-the-air) profitieren, um diese Systeme im Laufe der Zeit zu verbessern.
Keine Einschränkungen bei Leistung oder Reichweite
Eine Sache ist sicher: BMW hat nicht vor, seine Motoren oder Batterien zu drosseln, um Fernupdates zu verkaufen. Beim iX3 50 xDrive beispielsweise werden die 463 PS vollständig bereitgestellt, ohne Softwareoption zur Freischaltung von mehr. Ebenso wird die Reichweite nicht durch ein Abonnement eingeschränkt. Eine klare Position, die BMW von einigen Wettbewerbern unterscheidet, die bereits versucht haben, diesen Weg zu beschreiten.
Also, werden die Kunden dieses neue Modell akzeptieren? Die meisten Autofahrer sind bereit, für digitale Dienste zu bezahlen, aber weniger für physische Ausstattungen. Dennoch engagieren sich auch andere Marken wie Volkswagen, Audi oder Tesla in diese Richtung. In einer Zeit, in der das Auto zu einem echten vernetzten Objekt wird, das ständig aktualisiert wird, scheinen diese wiederkehrenden Einnahmen eine Notwendigkeit zu sein, um die traditionellen Margen zu ergänzen.
Am Ende verkörpert der iX3 sowohl einen technologischen Fortschritt als auch eine umstrittene wirtschaftliche Wahl. Sowohl Enthusiasten als auch Skeptiker müssen sich an diese neue Realität anpassen, in der alles potenziell kostenpflichtig wird.



