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BMW Z4 E85: Abschied von einer Roadster-Ikone mit nur 1.721 Kilometern

Der letzte seiner Art: Ein Zeitzeuge erwacht

Er steht da, im gleißenden Licht von South Carolina, und strahlt wie frisch aus dem Showroom. Spacegrau Metallic, makellose Scheinwerfer, keine Steinschläge. Der Blick aufs Kombiinstrument offenbart das Unglaube: 1.069 Meilen. Dieses Auto ist keine bloße Fahrt, es ist eine Zeitkapsel. Es ist der allerletzte BMW Z4 Roadster der ersten Generation (E85), der am 27. August 2008 in Spartanburg vom Band rollte. Eine Ausfahrt, die mehr ist als nur ein Fahrbericht – es ist eine emotionale Reise ans Ende einer Ära.

Die Präsentation des neuen X5 bot die seltene Gelegenheit, diesen Schatz zu bewegen. Ein Auto, das von BMW wie ein Relikt gehütet wird und nur zu besonderen Anlässen aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wird. Er repräsentiert eine Zeit, als Roadster noch pure, unkomplizierte Fahrspaßmaschinen waren, bevor die Welt vom Einheitsbrei der Elektromobilität überrollt wurde.

  • Modell: BMW Z4 Roadster (E85)
  • Produktionsdatum: 27. August 2008
  • Besonderheit: Letztes Exemplar der ersten Generation
  • Kilometerstand: 1.069 Meilen (ca. 1.721 km)
  • Produktionsort: Spartanburg, South Carolina, USA

Design-Revolution à la Bangle

Der Z4 E85 war kein evolutionärer Schritt, sondern ein radikaler Bruch. Nach dem charmanten, aber etwas rustikalen Z3 wollte BMW unter Designchef Chris Bangle mit dem Nachfolger neue Wege gehen. Anders Warming entwarf eine Karosserie, die unter dem Schlagwort „Flame Surfacing“ bekannt wurde: Flächen, die sich biegen und winden, fast mathematisch perfekt, um dem Wagen im Stand eine ungeheure Dynamik zu verleihen. Diese Optik war, typisch für die Bangle-Ära, polarisierend. Doch wie viele seiner Zeitgenossen gewinnt auch der Z4 E85 mit den Jahren an Anziehungskraft.

Die Seitenansicht formt mit den Kanten der Kotflügel und den Schwellern ein markantes „Z“. Auf dem Pariser Autosalon 2002 debütierte der Roadster, die Produktion startete noch im selben Jahr in den USA. Zunächst als offener Zweisitzer, später folgten Coupé und die M-Versionen. Unser graues Exemplar markiert nun den definitiven Endpunkt dieser glorreichen ersten Generation.

Der damalige Grundpreis lag bei 36.700 US-Dollar. Mit Extras wie Metallic-Lack (550 $), Premium-Paket (1.150 $), Automatik, Xenon und Navi kletterte der Preis auf stolze 47.050 US-Dollar – eine ordentliche Stange Geld für einen Zweisitzer.

Technik aus Deutschland, Herz aus den USA

Insgesamt liefen in Spartanburg 180.856 Z4 der ersten Generation vom Band. Doch trotz der amerikanischen Produktion stammten rund 60 Prozent der Komponenten aus Deutschland. Motor und Getriebe reisten aus Bayern über den Atlantik, um im Werk in South Carolina mit der Karosserie vereint zu werden. Ein wahrhaft globales Projekt.

Unter der langen Haube verbarg sich moderne Fahrwerkstechnik: vorne ein Federbein-Fahrwerk mit geschmiedeten Aluminium-Querlenkern, hinten eine ausgeklügelte Zentrallenker-Achse. Elektronische Helfer wie die Dynamische Stabilitätskontrolle (DSC) sorgten für mehr Stabilität als beim Vorgänger Z3, der sich oft als ziemlicher Hosenboden-Aufreißer entpuppte.

Ein Duft von Leder und Nostalgie

Der Einstieg gelingt trotz der tiefen Sitzposition überraschend leicht. Kaum Platz genommen, umhüllt mich eine vertraute Atmosphäre: der typische Geruch von Leder und Kunststoffen, der mich direkt in die späten 2000er zurückversetzt. Das Cockpit bricht mit gewohnten BMW-Layouts, die zwei tiefen Röhren für Tacho und Drehzahlmesser verleihen dem Innenraum eine sportliche Note.

Die Sonne brennt vom Himmel, also nichts wie das Dach auf. Ein Knopfdruck genügt, und das Stoffverdeck klappt vollautomatisch nach hinten. Kein Handgriff mehr nötig, wie beim Z3. Man sitzt herrlich frei, fast auf der Hinterachse. Gleichzeitig surrt der Navigationsmonitor mechanisch aus dem Armaturenbrett. Das kleine, pixelige Display versprüht heute einen wunderbar nostalgischen Charme.

Der Sechszylinder-Symphonie und die Automatik

Ein kleiner Wermutstropfen: In der Mittelkonsole thront der Wählhebel der Sechsgang-Automatik. Bei diesem puristischen Roadster mit einem famosen Reihensechszylinder hätte ich mir ein knackiges Schaltgetriebe gewünscht. Doch dieser geschichtsträchtige Wagen wurde so bestellt. Ich lege den Hebel auf „D“ und rolle los. Schon auf den ersten Metern verfliegt meine Skepsis.

Unter der Haube arbeitet der legendäre 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Sauger mit 215 PS. Ein Aggregat, das gierig am Gas hängt und ohne jede Verzögerung auf jeden Millimeter Pedalweg reagiert. Die Automatik harmoniert erstaunlich gut und hält das Triebwerk stets bei Laune. Besonders die damaligen Schaltwippen am Lenkrad machen Spaß: Daumen drücken zum Runterschalten, Finger ziehen zum Hochschalten. Ein schnelles Spiel, das heutige Fahrzeuge nur noch selten bieten.

Was mich aber vollkommen begeistert, ist der Sound. Der Sechszylinder trompetet mit einer wunderbar metallischen Note aus dem verchromten Doppelendrohr. Kein künstlicher Soundgenerator, keine Lautsprecher. Nur echter, mechanischer Wohlklang, der ungefiltert in den offenen Innenraum strömt. Ein Genuss für die Ohren.

Kurvenjagd mit Präzision

Das Fahrverhalten des Z4 überzeugt auf den kurvigen Strecken in South Carolina auf ganzer Linie. Durch die tiefe Sitzposition spüre ich jede Bewegung des Autos im Gesäß. Die unerwartet straffe und handfeste Lenkung erlaubt eine millimetergenaue Führung. Das Lenkrad selbst mag keinen Schönheitspreis gewinnen, liegt aber hervorragend in den Händen.

Zwischenbeschleunigungen aus engen Kehren machen im Zusammenspiel mit dem ehrlichen Lenkgefühl einfach süchtig. Auf welligem Asphalt spürt man die sportliche Straffheit, doch ungemütlich wird es nie. Die Karosserie ist erstaunlich verwindungssteif – ein riesiger Fortschritt gegenüber dem Z3. Der Z4 vermittelt das solide Gefühl eines gut schallgedämmten Coupés, sobald das Verdeck geschlossen ist.

Die Ledersitze bieten für die Rennstrecke zwar keinen überragenden Seitenhalt, reichen für die Landstraße aber völlig aus. Der Z4 E85 war ohnehin kein kompromissloser Rennwagen, sondern ein emotionaler Cruiser. Die Klimaanlage kämpft erfolgreich gegen die Hitze an. Die Blicke der Passanten, die diesen makellosen Roadster mustern, sind mir während der Fahrt ein Vergnügen.

Ein skulpturaler Roadster für die Ewigkeit

Bei einem Zwischenstopp betrachte ich die Karosserie im warmen Sonnenlicht. Die berühmten Linien wirken extrem plastisch. Die Seitenblinker im vorderen Kotflügel, die das BMW-Emblem umschließen, sind ein Kunstwerk für sich. Die hinteren Radhäuser wirken muskulös und breit, die massiven Überrollbügel runden das Bild ab. Fast zwei Jahrzehnte nach seiner Premiere wirkt dieser Roadster keineswegs veraltet.

Der Z4 hatte es anfangs nicht leicht, er stand im Schatten des Vorgängers Z3. Doch mit zeitlichem Abstand zeigt sich der E85 als das deutlich erwachsenere Auto mit hoher Fahrstabilität. Er wirkt im heutigen Straßenbild wie ein moderner Klassiker.

Nach dieser herrlichen Ausfahrt parke ich das geschichtsträchtige Einzelstück wieder sicher. Der Blick auf den Tacho zeigt nun ein paar Meilen mehr, doch der Zustand bleibt makellos. Es stimmt mich wehmütig, dass diese Gattung von bezahlbaren, puristischen Roadstern mit charakterstarken Saugmotoren heute fast vollständig ausgestorben ist. Wer einen guten Z4 E85 besitzt, sollte ihn hegen und pflegen. Oder jetzt Ausschau nach einem schönen Exemplar halten, denn billiger werden diese nicht mehr. Ein so ungefiltertes und emotionales Fahrerlebnis wie in diesem letzten Exemplar aus Spartanburg wird es in Zukunft wohl nicht wieder geben.

  • Preis (neu): ab 36.700 US-Dollar (Testwagen: 47.050 US-Dollar)
  • Motor: 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Saugmotor
  • Leistung: 215 PS
  • Getriebe: 6-Gang-Automatik (Steptronic)
  • Produktion: 180.856 Exemplare (E85/E86)