Ein G wie Gold: Der V8-AMG für Scheichs
Manche Autos sind keine Fahrzeuge, sondern Statement. Der Mercedes-Benz G 500 GE V8 AMG von 1993 ist definitiv so ein Ding. Gebaut in einer Auflage, die kleiner ist als die Gästeliste mancher VIP-Partys, war er schon immer ein Exot. Aber dieses eine Exemplar hier? Das ist die Krönung der Exzentrik: ein saudischer Prinz, eine Sonderlackierung, die selbst im Nebel glänzt, und weniger Kilometer als eine Spritztour zum Bäcker. Ein Auto, das beweist, dass die G-Klasse schon lange vor dem Influencer-Hype ein Statussymbol der Extraklasse war.
Bevor AMG zur offiziellen Tuning-Abteilung von Mercedes wurde, waren die Affalterbacher schon fleißige Hände bei der Veredelung der Sternen-Modelle. Und was passt besser zu einem robusten Geländewagen, der eigentlich nur Dreck fressen sollte, als ein V8-Herz, das nach Luxus und Geschwindigkeit schreit? Der 500 GE V8 war die Antwort auf diese Frage – eine Sonderedition von nur 446 Stück, die den G von einem Arbeitstier zum rollenden Thron erhob.
Der Prinz und sein grüner G: Eine ganz besondere Liaison
Stellen Sie sich vor: Sie sind Prinz Sultan bin Abdulaziz Al Saud, und Sie wollen einen G-Klasse. Aber nicht irgendeinen. Sie wollen den stärksten, den luxuriösesten, den auffälligsten. Und das Beste: Sie bekommen ihn direkt ab Werk nach Ihren Wünschen. Genau das passierte mit dem hier versteigerten 500 GE V8. Dieses Exemplar, mit der Fahrgestellnummer 1669, wurde im Juli 1993 fertiggestellt und im Februar 1994 erstmals in Saudi-Arabien zugelassen. Ein Auto mit einer Geschichte, die mehr zu bieten hat als nur vier Räder und einen Motor.
Dieses spezielle Modell verließ die Fabrik in einer Farbe namens „Avantgarde Grün“ – eine Nuance, die so exklusiv ist, dass man sie wahrscheinlich nur auf königlichen Teppichen findet. Dazu kamen ausgestellte Kotflügel und eine breitere Spur, nur um Platz für noch größere AMG-Felgen zu schaffen. Wer braucht schon praktische Geländeeigenschaften, wenn man stattdessen protzen kann?
Herzrasen im Gelände: Der V8-Motor
Unter der Haube dieses grünen Ungetüms schlägt das Herz eines bewährten Mercedes-V8: der M 117. Mit knapp fünf Litern Hubraum und 241 PS war er zwar nicht die absolute Speerspitze der damaligen Motorentechnik, aber für die G-Klasse war es ein Quantensprung. Satte 375 Newtonmeter Drehmoment sorgten dafür, dass der 500 GE V8 in flotten 10,5 Sekunden auf 100 km/h sprintete – für einen Geländewagen dieser Zeit eine Ansage. Seine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h war zwar nicht rekordverdächtig, aber mehr als genug, um auf der Autobahn die Blicke auf sich zu ziehen.
Warum nur 446 Stück? Nun, der M 117 war ein Auslaufmodell. Mercedes hatte bereits den moderneren M 119 V8 im Programm, der aber zu groß für den Motorraum des G war. So wurde der bewährte Achtzylinder quasi zum Abschiedsgeschenk für die G-Klasse. Eine Ironie des Schicksals, dass ein „altes“ Aggregat einem so exklusiven Sondermodell Leben einhauchte.
Mehr als nur ein Motor: Die AMG-Kur
AMG hat beim 500 GE V8 nicht nur den Motor getauscht. Nein, sie haben dem G-Modell eine ganze Reihe von Upgrades verpasst, die ihn von seinen zivilen Brüdern abheben. Innenbelüftete Scheibenbremsen vorne, ABS und spezielle Bridgestone-Reifen auf Alufelgen, die bis 210 km/h zugelassen waren – das waren keine Kleinigkeiten. Diese Reifen waren damals eine Sensation, denn sie erlaubten es, mit einem Geländewagen schneller zu fahren, als es die meisten Limousinen wagten.
Das Fahrwerk wurde dabei bewusst komfortabel abgestimmt. Wer braucht schon knallhartes Offroad-Feeling, wenn man auch sanft über die Boulevard-Pisten gleiten kann? Die Geländegängigkeit litt zwar leicht unter der reduzierten Wattiefe und dem Verzicht auf die vordere Differenzialsperre, aber mal ehrlich: Wie viele Prinzen fahren schon durch tiefste Schlammlöcher?
Luxus, der begeistert: Das Interieur
Innen wurde der 500 GE V8 zur Wohlfühloase. Schwarzes Leder mit grauen Akzenten, edles Walnussfurnier an der Mittelkonsole und den Türen – das war kein Geländewagen mehr, das war ein rollendes Wohnzimmer. Automatikgetriebe, Klimaanlage, Tempomat, Schiebedach und Sitzheizung gehörten zur Serienausstattung. Alles, was das Leben angenehmer machte, war an Bord. Man saß nicht nur, man residierte.
Die Sonderlackierung „Avantgarde Grün“ des Prinzen-Exemplars war dabei nur die Kirsche auf der Sahnetorte. Während die normalen 500 GE in einem eleganten Amethystblau Metallic lackiert waren, setzte der saudische Prinz noch eins drauf. Eine Farbe, die sagt: „Ich bin hier, und ich bin besonders.“
Der Preis des Exklusiven: Ein G für Gourmets
1993 kostete der 500 GE V8 satte 178.250 D-Mark. Zum Vergleich: Ein G 320 mit sechs Zylindern war für die Hälfte zu haben, und selbst eine luxuriöse S-Klasse 500 SE war mit rund 130.000 Mark deutlich günstiger. Der 500 GE V8 war also nicht nur ein Auto, er war eine Ansage. Er markierte den Beginn der Verwandlung des G von einem robusten Arbeitsgerät zu einem luxuriösen Lifestyle-Objekt, das sich auch die Reichen und Schönen leisten konnten.
Dieses prinzliche Exemplar hat nach einer umfassenden Überholung in Dschidda im Jahr 2025 gerade mal 24.254 Kilometer auf dem Tacho. Das ist weniger als manche jährliche Inspektion. Ein Auto, das fast nur zum Anschauen und Bewundern da war. Ein Sammlerstück, das seinen Wert mit Sicherheit halten, wenn nicht sogar steigern wird.
Der Stammbaum des G: Von AMG zur 6×6-Extravaganz
Der 500 GE V8 war nur der Anfang. Noch im selben Jahr legte AMG mit dem 500 GE 6.0 nach, der satte 300 PS leistete. 1998 fand der Achtzylinder als G 500 seinen festen Platz im Programm, und 1999 zum 20. Geburtstag der Baureihe kam der G 55 AMG mit 354 PS. Die Leistungsspirale drehte sich weiter, bis 2012 der G 65 AMG mit einem Zwölfzylinder und 630 PS die Spitze erreichte. Der 500 GE V8 war der Urvater all dieser V8- und V12-Monster, die die G-Klasse zu dem machten, was sie heute ist: ein Symbol für Luxus und Kraft.
Das muss man wissen:
- Sonderedition: Nur 446 Exemplare des 500 GE V8 wurden gebaut, was ihn extrem selten macht.
- Prinzen-Exklusivität: Dieses spezielle Fahrzeug wurde für den saudischen Prinzen Sultan bin Abdulaziz Al Saud individualisiert, inklusive Sonderlackierung „Avantgarde Grün“.
- V8-Power: Ein 241 PS starker 5-Liter-V8-Motor sorgte für ordentlichen Vortrieb.
- Luxuriöses Interieur: Leder, Walnussfurnier und eine Vollausstattung machten ihn zum Luxus-SUV der Extraklasse.
- Hoher Preis: Mit 178.250 D-Mark war er 1993 ein echtes Statussymbol und deutlich teurer als andere Mercedes-Modelle.
- Geringe Laufleistung: Das hier beschriebene Fahrzeug hat nur 24.254 Kilometer und wurde kürzlich aufwendig überholt.
















