MGs Technologietag: Mehr als nur ein laues Lüftchen aus England
MG, die britische Marke, die heute in chinesischen Händen liegt, hat zum Technologietag in London geladen. Dort wurde nicht etwa über die nächste Generation des MGB Roadster philosophiert, sondern über die Zukunft der Antriebe und Assistenzsysteme. Im Fokus: Eine neue Plug-in-Hybrid-Generation, die ab 2027 den Weg in die Modelle finden soll. Das klingt erstmal nach einer weiteren Komponente im ohnehin schon komplexen Antriebsmix. Doch MG verspricht mehr Effizienz, mehr Leistung und vor allem ein besseres Zusammenspiel der Komponenten. Ob das reicht, um die etablierte Konkurrenz aufzumischen?
Der Hersteller, der auf über 100 Jahre Tradition zurückblicken kann, will mit neuen Technologien punkten. Dabei geht es nicht nur um die reine Leistung, sondern auch um die Effizienz und die Sicherheit im alltäglichen Gebrauch. Die Ankündigung eines neuen Plug-in-Hybrid-Systems, das auf den Namen „Plug-in-Hybrid+“ hört, weckt Neugier. Was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Namen und was bedeutet das für zukünftige MG-Modelle?
- Neues Plug-in-Hybrid-System „Plug-in-Hybrid+“ ab 2027
- Fokus auf Effizienz und Leistung durch optimierte Benzinmotoren und Hybridgetriebe
- Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen für den europäischen Markt
- Einsatz von SolidCore-Batterietechnologie in neuen SUV-Baureihen
Der Verbrenner muss sich neu erfinden: 43 Prozent Wirkungsgrad sind kein Pappenstiel
Das Herzstück der neuen elektrifizierten Antriebe nennt sich „Plug-in-Hybrid+“. Hierbei setzt MG auf eine Kombination aus neu entwickelten Benzinmotoren und einem Hybridgetriebe. Konkret werden 1,1- und 1,5-Liter-Turbobenziner zum Einsatz kommen, die angeblich einen thermischen Wirkungsgrad von über 42 beziehungsweise 43 Prozent erreichen sollen. Das sind Werte, die man sonst eher von hochgezüchteten Sportmotoren oder gar Formel-1-Aggregaten kennt. Ob MG das auch in der Serie umsetzen kann, wird sich zeigen müssen. Denn auf dem Papier sehen die Zahlen gut aus, doch die Realität auf der Straße ist oft eine andere.
Das neue Getriebe, ein sogenanntes Power Split Getriebe, verspricht eine intelligente Leistungsverteilung. Ein Trennmechanismus soll im reinen Elektromodus den Generator entkoppeln. Das Ergebnis: Weniger Geräusche und Vibrationen, die man von herkömmlichen Hybridsystemen kennt. Das System wählt eigenständig das optimale Verhältnis zwischen Verbrenner und E-Motor. Klingt nach einer eleganten Lösung, die das Beste aus beiden Welten vereinen soll. Die Frage ist nur, wie schnell und präzise diese Umschaltungen in der Praxis funktionieren.
Beschleunigungswunder mit Steckenpferd-Qualitäten
MG verspricht beeindruckende Fahrleistungen für das neue Plug-in-Hybrid+-System. So soll der Sprint von 0 auf 100 km/h in weniger als sechs Sekunden erledigt sein. Ein Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h soll in nur 3,5 Sekunden möglich sein. Das sind Werte, die man eher von sportlichen Kompaktwagen als von einem Familien-SUV erwarten würde. Doch die größte Verbesserung soll die Fähigkeit zum Anfahren an Steigungen sein. Hier verspricht MG eine Steigerung von bis zu 72 Prozent im Vergleich zu bisherigen Systemen. Das dürfte vor allem Fahrer in bergigen Regionen freuen, die bisher mit der Leistung ihrer Hybriden zu kämpfen hatten.
Diese neue Technologie wird im Jahr 2027 erstmals im Modell MG ZS Plug-in Hybrid+ Einzug halten. Der ZS ist bisher eher als preisgünstiges Kompakt-SUV bekannt. Mit dem neuen Antrieb könnte er eine neue Zielgruppe ansprechen, die Wert auf Leistung und Effizienz legt, ohne gleich tief in die Tasche greifen zu müssen. Ob der ZS dann auch optisch dem neuen Antrieb gerecht wird, bleibt abzuwarten.
SolidCore-Batterien: Die Zukunft steckt im Festkörper
Neben den neuen Plug-in-Hybrid-Antrieben setzt MG künftig auch auf eine neue Batterietechnologie: die sogenannte SolidCore-Batterie. Diese basiert auf einer Semi-Solid-State-Architektur und soll deutliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus mit Flüssigelektrolyt bieten. MG verspricht eine höhere Energieeffizienz, eine schnellere Leistungsabgabe und eine gleichmäßigere Performance, selbst bei niedrigen Temperaturen oder geringem Ladestand. Das klingt vielversprechend, vor allem im Hinblick auf die Reichweite und die Alltagstauglichkeit von Elektro- und Hybridfahrzeugen.
Diese neue Batteriegeneration soll zunächst in drei neuen SUV-Baureihen der Segmente B, C und D zum Einsatz kommen. Das bedeutet, dass MG seine Modellpalette im SUV-Bereich weiter ausbauen wird. Ob es sich dabei um komplett neue Modelle oder um Nachfolger bestehender Baureihen handelt, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass MG auf eine breite Elektrifizierung setzt, die nicht nur auf reine Elektroautos beschränkt ist.
Assistenzsysteme: 1,2 Millionen Kilometer für Europas Straßen
MG hat seine Fahrerassistenzsysteme auf Basis von realen Daten aus 24 europäischen Ländern und einer Fahrstrecke von 1,2 Millionen Kilometern weiterentwickelt. Das Ziel: Eine bessere Anpassung an die spezifischen Gegebenheiten und Verkehrsregeln auf dem alten Kontinent. Ein Kernstück dieser Bemühungen ist das Parksystem „MG One-Touch iAD“, das in der MG-IM-Familie integriert wird.
Dieses System soll über 30 verschiedene Parkszenarien und mehr als 300 Parkplatztypen unterstützen, selbst auf unmarkierten Flächen. Automatisierte Ein- und Ausparkmanöver, das präzise Abstellen entlang von Bordsteinen und ein Rückfahrassistent, der den gefahrenen Weg bis zu 100 Meter selbstständig zurückverfolgen kann, gehören zum Funktionsumfang. Eine Rundum-Kamera erkennt Passanten und Radfahrer und leitet bei Bedarf selbstständig Bremsungen ein. Zukünftige Updates sollen sogar das Vorwärtseinparken zum Bordstein und Fernsteuerungsfunktionen per Smartphone ermöglichen. Das klingt nach einer echten Erleichterung im urbanen Dschungel.
Autobahn-Autopilot und Robotaxis: Der Weg zur Autonomie
Für Ende 2027 ist die Funktion „Navigate On Autopilot“ als nächste Entwicklungsstufe des bestehenden Systems „MG Pilot“ geplant. Dieses System soll den Fahrer bei Spurwechseln, Überholvorgängen und dem Ein- und Ausfahren auf Autobahnen unterstützen – natürlich immer unter der Aufsicht des Fahrers. Eine weiterentwickelte Version für den komplexeren Stadtverkehr befindet sich derzeit in der Validierung und soll voraussichtlich 2028 folgen. Das erste Fahrzeug, das die Autobahnfunktion erhält, wird ein neues SUV-Modell Ende 2027 sein.
Darüber hinaus forscht MG an autonom fahrenden Robotaxis der Stufe 4. Diese Fahrzeuge sollen in klar definierten Bereichen ohne menschliches Eingreifen operieren. Deutschland, China und der Nahe Osten sind die Testregionen für diese Langzeitforschung. Ein genauer Zeitpunkt für eine mögliche Serienfertigung dieser Technologie steht jedoch noch nicht fest. MG scheint also auf allen Ebenen der Automobilentwicklung aktiv zu sein, von der pragmatischen Hybridisierung bis hin zur futuristischen Robotaxis-Technologie.
Fazit: MG gibt Gas – aber wohin?
MG präsentiert sich auf seinem Technologietag als ein Unternehmen mit klaren Zielen für die Zukunft. Die neue Plug-in-Hybrid-Generation verspricht mehr Effizienz und Leistung, während die SolidCore-Batterietechnologie und die weiterentwickelten Assistenzsysteme den Weg in Richtung Zukunft ebnen. Ob die Versprechungen von MG in der Praxis gehalten werden können und ob die neuen Modelle die Kunden überzeugen werden, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: MG spielt wieder eine Rolle in der Automobilwelt und will mit Technologie und Innovation punkten.
- Antrieb: Neues Plug-in-Hybrid+ System mit 1,1/1,5-Liter-Turbobenzinern und 43% Wirkungsgrad geplant für 2027 im MG ZS.
- Batterie: SolidCore-Batterietechnologie (Semi-Solid-State) für B-, C- und D-Segment-SUVs.
- Assistenzsysteme: Weiterentwicklung auf Basis von 1,2 Mio. km europäischer Fahrdaten, u.a. Parksystem „One-Touch iAD“.
- Autonomes Fahren: „Navigate On Autopilot“ für Autobahnen Ende 2027, Stadtverkehr-Version für 2028 angestrebt.
- Robotaxis: Erprobung von Level-4-Robotaxis in Deutschland, China und Nahost.





















