Mit dem bevorstehenden ersten Wintertest scheint Ford bereit zu sein, seine Rolle in der Formel 1 neu zu definieren. Zwischen Innovationen und strategischen Anpassungen begnügt sich der amerikanische Hersteller nicht mehr mit einfacher finanzieller Unterstützung, sondern engagiert sich voll und ganz in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren an der Seite von Red Bull. Eine Allianz, die die Spielregeln verändern könnte.
Eine neue Ära für Ford in Formel 1
In weniger als einem Monat werden die beiden Red Bull-Teams zum ersten Mal ihre neue Antriebseinheit entdecken, das Ergebnis von drei Jahren Zusammenarbeit mit Ford. Auch wenn der erste Wintertest in Barcelona hinter verschlossenen Türen stattfinden wird, stellt er einen Wendepunkt für die beiden Partner dar. Mark Rushbrook, Direktor von Ford Performance, betont, dass dieser Test entscheidend sein wird, um die Wettbewerbsfähigkeit der Antriebseinheit zu bewerten.
In den ersten Gesprächen, als Christian Horner noch Red Bull leitete, sollte sich Ford auf finanzielle Unterstützung und seine Expertise in Bezug auf elektrische Komponenten beschränken. Doch die Realität nahm eine unerwartete Wendung. Wie Rushbrook in einem exklusiven Interview mit Motorsport.com erklärt: „Die ursprüngliche Liste konzentrierte sich auf die Elektrifizierung: die Batterieeinheit, den Elektromotor, den Wechselrichter, die Software und die Kalibrierungskarte.“ Doch dieser Ansatz hat sich weiterentwickelt und den Weg für eine viel bedeutendere Beteiligung geebnet.

Die Red Bull Powertrains-Werkstätten in Milton Keynes.
Im Einklang mit der globalen Strategie der Ford Motor Company wurden die Prioritäten im F1-Projekt angepasst. Der Fokus wurde auf die Entwicklung des Verbrennungsmotors gelegt, der in Fords Vision für seine Serienfahrzeuge entscheidend geworden ist. Rushbrook präzisiert: „In unseren Plänen für Serienfahrzeuge werden wir weiterhin Verbrennungsmotoren, Vollhybride und 100 % elektrische Fahrzeuge haben.“ Diese Diversifizierung bietet Ford eine willkommene Flexibilität angesichts der regulatorischen Entwicklungen in der Automobilbranche.
Unerwartete Synergien
Ford hofft, von seinem Engagement in der F1 zu profitieren, um seine Fähigkeiten im Bereich der Verbrennungsmotoren zu erweitern. „Indem wir an der elektrischen Seite arbeiten und sehen, was im Bereich des Verbrennungsmotors passiert, haben wir eine Gelegenheit gesehen, teilzunehmen und beizutragen.“ Die derzeit in Dearborn, wo sich der Entwicklungs-Campus von Ford befindet, hergestellten Teile sind hauptsächlich mit dem thermischen Teil der Antriebseinheit verbunden, was eine aktive Zusammenarbeit veranschaulicht.
Rushbrook betont, dass dieses Engagement nicht auf einen Mangel an Fähigkeiten bei Red Bull Powertrains hinweist, sondern vielmehr eine Gelegenheit zum Wissensaustausch darstellt. „Wenn technische Köpfe zusammenarbeiten, stellen sie Fragen und tauschen Ideen aus. Was würde Ford in dieser Situation tun?“ Diese Dynamik ermöglicht es beiden Entitäten, ihre technischen Grenzen zu erweitern und gleichzeitig innovative Synergien zu schaffen.

Max Verstappen (Red Bull)
Die Auswirkungen für Ford
Dieser kollaborative Ansatz ist nicht nur eine einfache Marketingstrategie; er ermöglicht es Ford, seine Position im Markt für Verbrennungsmotoren zu stärken und gleichzeitig von den fortschrittlichen Technologien zu lernen, die in der F1 verwendet werden. Rushbrook erklärt: „Im Bereich der Elektrifizierung, zum Beispiel der Chemie der Batteriezellen, konnten wir unseren Beitrag leisten und gleichzeitig enorm viel lernen.“
Die Auswirkungen dieser Erfahrung sind auch in der Gestaltung und Herstellung von Komponenten sichtbar. „Das hat uns wirklich auf ein viel höheres Niveau gebracht als bei früheren Programmen.“ In Bezug auf Qualitätskontrolle und Innovation ist Ford nun besser gerüstet, um den Herausforderungen des modernen Automobilmarktes zu begegnen.
Ein nachhaltiges Engagement in der F1
Die Entscheidung von Ford, weiterhin Verbrennungsmotoren zu entwickeln, zeugt von der langfristigen Bedeutung der Formel 1 für den Hersteller. Während bereits Gespräche über die Motorregeln über den aktuellen Zyklus hinaus stattfinden, scheint Ford entschlossen zu sein, im Rennen zu bleiben. Rushbrook erklärt: „Wir wissen, dass wir in absehbarer Zukunft Verbrennungsmotoren, Hybride und 100 % elektrische Fahrzeuge haben werden.“
Diese strategische Positionierung könnte auch den Weg für eine verlängerte Partnerschaft mit Red Bull ebnen, insbesondere wenn zukünftige Regelungen eine Rückkehr zu V8-Motoren mit Elektrifizierung begünstigen. Rushbrook antwortet direkt auf diese Möglichkeit: „Ja.“ Eine Antwort, die die Zukunft von Ford in der Formel 1 neu definieren könnte.

Das Red Bull Ford Powertrains-Werk in Milton Keynes.
Mit einer vielfältigen Motorenpalette für seine Serienfahrzeuge positioniert sich Ford, um von den regulatorischen Entwicklungen in der F1 zu profitieren. Rushbrook schließt: „Solange die Regeln für uns vernünftig relevant bleiben, werden wir zufrieden sein.“ Die Zukunft scheint also vielversprechend für diese innovative Zusammenarbeit zwischen Ford und Red Bull, bereit, neue Horizonte in der wettbewerbsintensiven Welt der Formel 1 zu erkunden.


