In Rüsselsheim haben sich zwei Männer unter einem bekannten Vorwand Zugang zur Wohnung einer Seniorin verschafft und sie dort bestohlen. Der Fall zeigt, wie schnell Täter mit angeblichen Prüfaufträgen Vertrauen erzeugen – und warum schon wenige Minuten Ablenkung reichen, um nicht nur Wertsachen, sondern auch Bankkarten zu entwenden und direkt zu missbrauchen.
Nach Angaben der Polizei ereignete sich die Tat am Dienstagnachmittag, 21.04., gegen 16.30 Uhr in der Liebigstraße. Die beiden Unbekannten gaben sich als Mitarbeiter einer Wohnbaugesellschaft aus und erklärten, in der Wohnung etwas überprüfen zu müssen. So verschafften sie sich Zutritt zu den Räumen der Seniorin.
Die Täter nutzten einen klassischen Ablenkungstrick an der Wohnungstür
Während die Männer die Frau in der Wohnung ablenkten, entwendeten sie eine Geldbörse samt Inhalt. Solche Fälle folgen oft einem einfachen Muster: Zugang unter einem plausibel klingenden Vorwand, kurze Verunsicherung an der Tür, danach gezielte Ablenkung in der Wohnung. Gerade bei älteren Menschen funktioniert diese Methode, weil sie auf Autorität und Zeitdruck setzt.
Im vorliegenden Fall blieb es nicht beim Diebstahl in der Wohnung. Mit der gestohlenen Bankkarte hoben die Täter anschließend an einem Automaten in der Adam-Opel-Straße Geld ab. Das erhöht den Schaden unmittelbar und zeigt, wie wichtig es ist, nach einem Verdacht nicht nur die Polizei zu verständigen, sondern auch Bankkarten sofort sperren zu lassen.
Die Beschreibung der Verdächtigen fällt vergleichsweise konkret aus
Einer der Unbekannten war laut Polizei etwa 20 bis 25 Jahre alt, rund 1,80 Meter groß, schlank und hatte kurze schwarze Haare. Er trug ein schwarzes T-Shirt, eine graue Arbeiterhose und führte einen Koffer mit sich. Sein Begleiter war etwa gleich alt, ähnlich groß und gleich gekleidet; er hatte kurze braune Haare.
Die Seniorin gab in ihrer ersten Befragung an, dass es sich bei den beiden falschen Mitarbeitern um Männer aus Nordafrika gehandelt habe. Solche Angaben können für die Ermittler ein Baustein sein, ihre Aussagekraft bleibt ohne weitere Hinweise oder Bildmaterial aber naturgemäß begrenzt. Entscheidend sind deshalb oft Beobachtungen aus der Nachbarschaft, etwa zu Fluchtweg, Fahrzeug oder auffälligem Verhalten vor dem Haus.
Warum diese Masche so wirksam ist
Der Trick mit angeblichen Handwerkern oder Mitarbeitern einer Wohnbaugesellschaft ist nicht neu, bleibt aber wirksam. Der Grund ist simpel: Die Geschichte wirkt alltäglich, die Kleidung passt zum Vorwand, und mit einem Koffer oder Werkzeug entsteht schnell der Eindruck eines offiziellen Einsatzes. Genau darauf zielen die Täter ab.
Hinzu kommt der Überraschungsmoment. Wer unangekündigt an der Tür steht und auf eine dringende Prüfung verweist, erzeugt Druck. In dieser Situation werden Ausweise oft nicht genau geprüft, Rückfragen an Vermieter oder Hausverwaltung unterbleiben, und die Täter sind bereits in der Wohnung, bevor Zweifel aufkommen.
Polizei warnt: Unangekündigte Handwerker nicht einfach hineinlassen
Vor dem Hintergrund des aktuellen Falls warnt die Polizei vor falschen Handwerkern. Fremde Personen sollten grundsätzlich nicht in die Wohnung gelassen werden, wenn sie nicht selbst bestellt wurden. Das gilt besonders dann, wenn sich der Besuch nicht vorher angekündigt hat.
Die Polizei rät außerdem, angebliche Handwerker gegebenenfalls vor der Wohnungstür warten zu lassen, bis Rücksprache mit einer Vertrauensperson möglich ist – etwa mit Nachbarn oder Angehörigen. Wer unsicher ist, sollte ohne Zögern die Polizei verständigen. Nach Einschätzung der Beamten lässt sich oft schnell klären, ob ein legitimer Einsatz vorliegt oder ob es sich um Betrüger handelt.
Worauf Anwohner und Angehörige jetzt achten sollten
- Unangekündigte Handwerker nur nach klarer Prüfung von Auftrag und Identität hereinlassen.
- Bei Zweifeln Vermieter, Hausverwaltung oder eine Vertrauensperson direkt anrufen.
- Wertsachen, Geldbörsen und Bankkarten nicht offen in der Wohnung liegen lassen.
- Nach einem Verdacht sofort Polizei informieren und Bankkarten umgehend sperren.
- Verdächtige Beobachtungen an die Kriminalpolizei in Rüsselsheim (Kommissariat 21/22) unter 06142/6960 melden.
