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Goodwood Festival of Speed: Das beste Autofestival der Welt?

Goodwood 2026: Wenn der Adel zum Gaspedal greift

Der morgendliche Tau liegt noch auf dem perfekt gestutzten englischen Rasen, als das fauchende Ansauggeräusch eines Sechszylinder-Boxers die Stille zerschneidet. Das Goodwood Festival of Speed ist kein gewöhnliches Treffen von Auto-Verrückten; es ist eine Inszenierung, eine Huldigung, ein Spektakel. Vom 9. bis 12. Juli verwandelte sich der Park des Duke of Richmond einmal mehr in ein gigantisches Mekka für Enthusiasten aus aller Welt. Hier parken sündhaft teure Design-Ikonen direkt neben den spektakulärsten Neuvorstellungen der globalen Automobilhersteller. Und wer dachte, das Ganze sei nur eine trockene Zurschaustellung von Blech, der irrt gewaltig.

Goodwood ist ein Erlebnis, das unter die Haut geht – und das nicht nur wegen der gefühlten 40 Grad Celsius am Donnerstag, die selbst den englischen Rasen zum Schwitzen brachten. Es ist die Mischung aus Tradition und Zukunft, aus leiser Eleganz und brachialer Kraft, die dieses Festival so einzigartig macht. Wir waren vor Ort, um die PS-Party im Park zu erleben und festzustellen: Goodwood übertrifft sich jedes Jahr aufs Neue selbst.

Singer: Der Porsche-Flüsterer im Rampenlicht

Das optische und emotionale Zentrum der Veranstaltung bildet dieses Jahr die monumentale Skulptur von Gerry Judah direkt vor dem historischen Anwesen Goodwood House. Das spektakuläre Kunstwerk rückt die US-Marke Singer in den Mittelpunkt, die für ihre bis ins kleinste Detail perfektionierten Porsche-Klassiker weltberühmt ist. Zur Eröffnung steuert der Duke of Richmond persönlich einen 1991er DLS Turbo Reimagined by Singer durch die Zuschauermenge. Das heisere Fauchen des aufgeladenen Triebwerks sorgt sofort für die erste Gänsehaut des Wochenendes. Man spürt förmlich, wie die Leidenschaft für jedes einzelne Bauteil durch den Boliden pulsiert.

Singer ist mehr als nur ein Tuner; es ist ein Veredler, der alten Legenden neues Leben einhaucht, oft mit einer Präzision, die selbst die Zuffenhausener Manufaktur in Erstaunen versetzen dürfte. Ihre Kreationen sind keine schnellen Umbauten, sondern Kunstwerke auf Rädern, die den Geist des Originals einfangen und ihn mit modernster Technik und unendlicher Liebe zum Detail auf ein neues Level heben. Ein würdiger Mittelpunkt für ein Festival, das das Beste des Automobils feiert.

Premierenregen: Von Dänemark bis China

Nur ein paar Schritte weiter verwandeln die führenden Hersteller der Welt das Festivalgelände in eine gigantische Outdoormesse voller Premieren. Aston Martin zeigt den eleganten DB12 S erstmals in Aktion, während Ferrari mit dem Modell Amalfi die Blicke auf sich zieht. Die Blicke der Zuschauer hängen aber auch an zukunftsweisenden Kleinwagen wie dem Cupra Raval und dem spektakulären Renault 5 Turbo 3E – ein elektrischer Gruß aus der Vergangenheit. Wer extreme Supersportler sucht, bestaunt den dänischen Zenvo Aurora Tur oder den kompromisslosen Rennwagen Toyota GR GT.

Und dann war da noch der Rest des Paddocks, der 2026 fast schon wie eine eigene Messe wirkte. BYD trat mit BYD, Denza und Yangwang groß auf und stellte in Goodwood sogar die größte Standfläche eines einzelnen Unternehmens in der Festivalgeschichte auf. MG kam mit zwei globalen Konzeptpremieren und einer elektrifizierten Palette zurück, MINI baute sich mit der „MINI Street“ eine kleine Markenwelt, und BMW M nutzte das Festival für den UK-Auftritt des M Concept Neue Klasse zum 40. Jubiläum des M3. Dazu kamen Pagani mit der Weltpremiere des Huayra 70 Derecho und Hennessey mit dem Venom F5-M Roadster, während Jaguar mit dem neuen Type 01 bewusst neben E-type, XJS und XJC auftrat. Genau diese Mischung aus Premieren, Markeninszenierung und kontroversen Debüts macht Goodwood 2026 so stark.

Schönheit im Park und Visionen im Future Lab

Abseits der schnellen Asphaltbänder wartet der exklusive Schönheitswettbewerb Cartier Style et Luxe mit automobilem Adel auf. Auf dem edlen Rasen bewertet eine prominente Jury um Hollywoodstar Stanley Tucci automobile Schönheiten. Die begehrte Trophäe für das schönste Auto des Festivals geht in diesem Jahr an eine bildschöne Lancia Aurelia Spider aus dem Jahr 1955. Das Fahrzeug gewinnt die Klasse mit dem klangvollen Namen „Drop it like its Haute“ und verkörpert die pure Eleganz vergangener Jahrzehnte. Ein Auto, das man lieber streicheln als fahren möchte – zumindest im Regen.

Einen tiefen Blick in die automobile Zukunft erlaubt das FOS Future Lab, das dieses Jahr technologische Meilensteine bündelt. Hier stehen nicht nur saubere Energiesysteme im Fokus, sondern auch künstliche Intelligenz und Quantencomputing. Das Publikum testet interaktive Demonstrationen von Pionieren wie der Formula E und Sony Europe. Sogar die Unterwasser-Forschung und zukunftsweisende Raumfahrttechnologien finden hier ihren Platz, was zeigt, dass die Faszination Technik in Goodwood keine Grenzen kennt. Wer hier nicht inspiriert wird, hat wahrscheinlich schon aufgegeben.

Das Cathedral Paddock verwandelt sich unterdessen in ein Paradies für Liebhaber des American Way of Life. Zum 250. Geburtstag der USA glänzen hier legendäre V8-Klassiker und historische Motorräder im englischen Sommerlicht. Ein riesiger Publikumsmagnet für Familien ist die lebensgroße Nachbildung der berühmten Filmfigur Lightning McQueen. Gleichzeitig verkünden die Veranstalter vor Ort den Start des Goodwood Road Racing Club of America, der ab dem kommenden Jahr das typische Goodwood-Lebensgefühl nach Kalifornien bringt. Man fragt sich nur, ob die kalifornischen Hügel dem britischen Charme gewachsen sind.

Weltmeister, Legenden und die Geburt von Legenden

Die legendäre Bergrennstrecke, der Hillclimb, liefert die sportliche Würze für das emotionsgeladene Festival. Ein absoluter Höhepunkt ist das Zusammentreffen von Formel-1-Weltmeister Lando Norris und Motorrad-Legende Valentino Rossi, die sich auf dem Balkon des Herrenhauses feiern lassen. Norris steuert danach den Formel-1-Boliden McLaren MCL60 auf die Strecke und feiert im Beisinn von Sir Jackie Stewart seinen großen Triumph. Auch Ex-Champion Damon Hill bewegt 30 Jahre nach seinem Titelgewinn den Williams FW18 lautstark den Berg hinauf. Die Motorengeräusche sind lauter als jeder Applaus.

Als historische Zeitreise erweist sich das Zusammentreffen der originalen Ford GT Mk II Rennwagen von 1966. Genau 60 Jahre nach dem legendären Dreifachsieg über Ferrari in Le Mans wiederholen die Boliden ihre berühmte Formationsfahrt auf der Bergstrecke. Den krönenden sportlichen Schlusspunkt des viertägigen PS-Spektakels setzt der Franzose Romain Dumas. Er peitscht den vollelektrischen Ford Super Mustang Mach-E in einer atemberaubenden Fahrt durch die engen Kurven und sichert sich damit den prestigeträchtigen Sieg im großen Shoot-out. Ein elektrischer Beweis, dass die Zukunft auch auf der Bergrennstrecke laut und aufregend sein kann.

Das Fazit: Ein Muss für jeden Autofan

  • Vielfalt: Von hypermodernen Elektroautos über perfekt restaurierte Klassiker bis hin zu Formel-1-Boliden – Goodwood bietet alles.
  • Atmosphäre: Die Kombination aus Adelssitz, Parkanlage und Rennstrecke ist einzigartig und unvergleichlich.
  • Premieren: Zahlreiche Hersteller nutzen das Festival für Welt- und Europapremieren ihrer neuesten Modelle.
  • Stars: Formel-1-Weltmeister, Rennsportlegenden und Hollywood-Größen sind keine Seltenheit.
  • Zukunft: Das Future Lab zeigt eindrucksvoll, wohin die Reise der Mobilität geht.
  • Erlebnis: Goodwood ist mehr als nur ein Festival – es ist ein Fest für alle Sinne.

Das Goodwood Festival of Speed ist und bleibt das ultimativeautomobile Ereignis. Es ist ein Ort, an dem die Leidenschaft für das Auto in all ihren Facetten gefeiert wird. Ob man nun ein Fan von historischen Rennwagen ist, die neuesten Supersportwagen bestaunen möchte oder sich für die Zukunft der Mobilität interessiert – in Goodwood wird man fündig. Die Mischung aus Prestige, Performance und purer Begeisterung macht es zu einem unvergesslichen Erlebnis, das man sich als echter Autoenthusiast nicht entgehen lassen sollte.

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