In Berlin-Tempelhof hat DS Penske einen Form-Tag in der Formel E erlebt, der sich kaum mit dem Vortag vergleichen ließ. Ein überarbeitetes Rennformat, glühender Asphalt und Qualifying-Abstände im Tausendstelbereich verschoben die Maßstäbe sofort. Das Team war mit beiden DS E-Tense mittendrin, nur der Ertrag blieb am Ende zu mager.

Die Einordnung ist schlicht: DS Penske hatte Tempo, zeitweise auch die richtige Strategie, aber nicht das Ergebnis. In der Formel E reicht das für Aufmerksamkeit. Für Zählbares eben nicht immer.
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Berlin stellt die Rennlogik auf den Kopf
Der Sonntag brachte ein völlig anderes Bild als das Rennen am Samstag. Zwei Runden weniger, zwei Attack-Mode-Einsätze statt eines, dazu 8 Minuten zusätzliche Leistung: Die strategischen Karten wurden neu gemischt. Pläne vom Vortag waren damit praktisch wertlos, bevor das Feld überhaupt die erste Kurve gesehen hatte.
Hinzu kam ein deutlich anspruchsvollerer Untergrund. Auf dem Beton des historischen Flughafens Berlin-Tempelhof kletterte die Temperatur auf über 40 °C. Unter diesen Bedingungen werden Reifen, Energie und Renntempo zum Balanceakt. Wer zu früh forciert, zahlt später. Wer zu lange abwartet, verliert den Anschluss an die Spitze.
DS Penske setzt in der Quali ein Ausrufezeichen
Schon im einzigen Training war das Niveau hoch. Edoardo Mortara setzte die Bestzeit, Max Günther fehlten nur 4 Tausendstel, Taylor Barnard lag weitere 4 Tausendstel dahinter. Solche Abstände sind in der Formel E eher ein Messwert als ein echter Vorsprung.
Auch das Qualifying bestätigte den Eindruck. Barnard wurde Zweiter in Gruppe A und verschaffte sich damit eine gute Ausgangslage für die Duelle. Günther zeigte in Gruppe B ebenfalls ordentliches Tempo, verpasste aber um ein kleines Zehntel den Sprung in die nächste Runde. Das ist nicht dramatisch, aber es zeigt, wie teuer jede kleine Unsauberkeit in dieser Serie wird.
Barnard arbeitet sich bis ins Finale der Duelle
Der junge Brite legte anschließend einen sauberen Auftritt hin. Gegen Drugovich von Andretti fuhr er einen präzisen Lauf und zog ins Halbfinale ein. Dort setzte er sich auch gegen Nick Cassidy durch, der ebenfalls gut unterwegs war. Auf dieser engen Strecke ist so ein Erfolg ein klarer Hinweis auf Ruhe unter Druck.
Im Finale wartete Pascal Wehrlein im Porsche. Der Schlagabtausch gehörte zu den Höhepunkten des Tages. DS und Porsche lieferten sich Kurve für Kurve einen direkten Vergleich im fliegenden Startmodus, bei dem jeder Fehler sichtbar wird. Barnard hielt lange dagegen, doch Wehrlein setzte sich letztlich um 4 Tausendstel durch. Bitter, aber auch aussagekräftig: DS Penske hatte die Geschwindigkeit für den Sieg.
Im Rennen bestimmte das Energiemanagement den Takt
Am Start übernahm Barnard direkt die Führung und behauptete sich in den ersten Runden vorne. Günther wählte eine andere Linie, fuhr kontrollierter im Feld und sparte Energie. In der Formel E ist dieser Ansatz oft mehr wert als ein spektakuläres Überholmanöver.
Barnard setzte zwischenzeitlich auch die schnellste Rennrunde und nahm dann etwas Druck heraus, um sich Reserven für die entscheidende Phase zu sichern. Günther arbeitete sich im Verkehr nach vorne und schaffte es in die Top 10. Beide DS E-Tense lagen damit in einer Position, aus der im Schlussabschnitt noch etwas möglich war. Ein erster Attack Mode stand noch bevor, der zweite war für den letzten Renndrittel vorgesehen.
Das Problem: Das Feld blieb permanent in Bewegung. Die Attack-Mode-Zone lag entfernt von der Ideallinie, was die Orientierung erschwerte und die Positionen immer wieder durcheinanderwirbelte. In diesem Umfeld profitierten vor allem die Fahrer, die den Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten. DS Penske musste dagegen mit einem Rennen leben, das phasenweise kaum sauber zu lesen war.
Am Ende fehlen die Punkte trotz sichtbarer Präsenz
Die Schlussphase verlief ernüchternder als der Rest des Tages, obwohl beide Autos über weite Strecken präsent waren. Barnard kam schließlich als Elfter ins Ziel, also knapp außerhalb der Punkte. Günther fiel in den letzten Runden zurück und wurde 15. Das passt nicht recht zum Gesamtbild des Rennens, denn DS Penske prägte den Tag deutlich stärker, als das Ergebnis vermuten lässt.
Genau darin liegt die Lehre dieses Wochenendes. Das Team war schnell im Training, stark genug für die Duelle und im Rennen vorne dabei. Entscheidend fehlt aber der letzte Schritt, um diese Datenbasis in ein solides Resultat zu verwandeln. In der Formel E macht oft nicht die Geschwindigkeit allein den Unterschied, sondern die Art, wie sie im Renntrimm und mit der richtigen Benzinmenge des E-Formats umgesetzt wird.
Monaco wird ein anderer Maßstab
Weiter geht es für die Formel-E-WM am 16. und 17. Mai in Monaco. Das ist ein anderer Kurs, ein anderer Rhythmus und auch eine andere Art, ein Wochenende zu bewerten. Nach Berlin reist DS Penske mit einer klaren Erkenntnis an: Das Tempo stimmt.
Offen bleibt, wie oft sich dieses Tempo auch in Punkten niederschlägt. Die DS E-Tense FE25 hat in Berlin gezeigt, dass sie im Feld bestehen, in den Duellen mithalten und die Besten unter Druck setzen kann. Wer daraus Kapital schlagen will, muss die Rennläufe sauberer zu Ende bringen. Genau dort liegt derzeit das Risiko – und genau dort liegt auch der nächste Hebel.
- DS Penske zeigte in Berlin-Tempelhof viel Geschwindigkeit.
- Taylor Barnard erreichte das Finale der Duelle und verlor nur um 4 Tausendstel.
- Max Günther bestätigte das Potenzial der DS E-Tense FE25, ohne es in Punkte umzusetzen.
- Das neue Rennformat stellte die Strategien komplett auf den Kopf.
- Hitze und Attack Mode machten die Energiebilanz zum Schlüsselfaktor.
- Nächster Lauf: Monaco am 16. und 17. Mai.



