Smart holt ein Konzept zurück, das viele längst abgeschrieben hatten: den echten zweisitzigen Cityflitzer. Mit dem Concept #2 bereitet die Marke eine bewusste Rückkehr zum Fortwo-Gedanken vor – elektrisch, moderner inszeniert und mit mehr Premium-Anspruch. Entscheidend ist jetzt, ob diese Formel heute noch zu Alltag, Kosten und Kundenerwartungen passt.
Hinter dem Teaser steckt mehr als eine reine Designstudie. Smart versucht, ein Fahrzeugformat wiederzubeleben, das der Markt zuletzt weitgehend links liegen ließ. In den aktuellen Auto-News ist genau das der spannende Punkt: Die Marke zeigt nicht einfach ein neues Modell, sondern testet die Rückkehr zu einer sehr klaren Idee vom Stadtauto.
Smart greift mit echtem Zweisitzer sein Markenerbe auf
Der neue Concept #2 kündigt den künftigen elektrischen smart #2 an und knüpft dabei sichtbar an den Fortwo an. Das ist mehr als nur ein nostalgischer Verweis. In den vergangenen Jahren hat Smart sein Portfolio deutlich verbreitert und stärker auf größere, massentauglichere Modelle ausgerichtet. Jetzt geht es wieder um das Format, das die Marke einst unverwechselbar gemacht hat: extrem kompakt, konsequent für die Stadt gedacht und auf zwei Plätze begrenzt.
Damit steht nicht allein ein neues Auto im Mittelpunkt. Viel wichtiger ist die Rückkehr zu einer Architektur, die heute fast schon gegen den Markttrend läuft. Während urbane SUV und austauschbare Crossover das Bild prägen, setzt Smart wieder auf ein radikales Stadtauto. Der Fortwo war einmal so etwas wie ein Roller mit Dach. Der Concept #2 will diese Rolle erkennbar neu interpretieren – zeitgemäßer im Auftritt und hochwertiger in der Anmutung.
Das Design soll mehr sein als nur praktisch
Die ersten offiziellen Bilder zeigen ein Auto, das bewusst mit Kontrasten arbeitet. Smart spricht von einer zweifarbigen Gestaltung mit mattem Weiß und warmen Goldakzenten. Dazu kommen Ledereinsätze und Details, die sich an der Modewelt orientieren. Die Botschaft ist eindeutig: Die kleine Stadt-Smart soll nicht mehr nur als clevere Lösung wahrgenommen werden, sondern als begehrenswertes Produkt.
Das sagt viel über die geplante Positionierung aus. Der ursprüngliche Fortwo lebte von seiner Kürze und seinem eigenwilligen Auftritt. Die kommende #2 soll offenbar zusätzlich mehr Wertigkeit transportieren. Das ist nachvollziehbar, denn ein Elektroauto für die Stadt verkauft sich längst nicht mehr nur über praktische Vorteile. Image, Ausstattung und Markenwirkung spielen inzwischen eine deutlich größere Rolle – gerade in einem Segment, in dem fast jede kleine Baureihe einen Premium-Anstrich bekommen soll.

Die Proportionen wirken weiterhin sehr kompakt, was die Verbindung zum Fortwo aufrechterhält. Konkrete Maße, technische Daten, Angaben zum Innenraum oder zur Reichweite nennt Smart bislang aber nicht. Das ist ein wichtiger Punkt: Im Moment steht eher ein visuelles Statement im Raum als ein belastbares Serienprodukt. Und genau dort ist die Aussagekraft naturgemäß begrenzt.
Die Premiere in Peking zeigt: Smart denkt nicht nur an Europa
Vorgestellt werden soll der Concept #2 am 22. April 2026 beim globalen Event „Change of Perspectives“ in Peking, anschließend folgt der Auftritt auf der Auto Beijing 2026. Diese Bühne ist mit Vorsicht zu genießen, aber sie sendet ein klares Signal. Smart verankert die Neuheit in einem internationalen Kontext – und vor allem in einem chinesischen Markt, der für Elektroautos und Modellstrategien inzwischen zentral ist.
Parallel zeigt die Marke dort auch den smart #6 EHD, beschrieben als premiumorientierte Fastback-Limousine, die zunächst für China vorgesehen ist. Gerade dieser Kontrast ist aufschlussreich. Hier der kompakte Zweisitzer mit historischem Markenkern, dort das größere, repräsentativere Modell zur Kundenerweiterung. Smart versucht also, Herkunft und Wachstum gleichzeitig abzudecken. Das kann funktionieren, verlangt aber eine sehr saubere Positionierung.

Smart setzt darauf, den Mini-Stromer wieder attraktiv zu machen
Mit der Rückkehr eines zweisitzigen Smart stellt sich automatisch die Frage, ob für dieses Format noch genug Platz im Markt ist. Genau hier wird die Ankündigung interessant. Städte werden dichter, Parkraum bleibt knapp, und elektrische Antriebe passen grundsätzlich gut zu kurzen Wegen. Auf dem Papier hat eine konsequente Mikro-Citadine also weiterhin stichhaltige Argumente.
Nur: Der Markt hat sich verändert. Viele Käufer erwarten heute mehr Vielseitigkeit, etwas Stauraum, einen brauchbaren Aktionsradius und einen Innenraum, der nicht nach Verzicht aussieht. Die reine Stadtauto-Idee hat deshalb an Boden verloren gegenüber größeren Modellen, die vieles zumindest ordentlich abdecken. Entscheidend ist also nicht die Fortwo-Nostalgie, sondern ob Smart ein Auto attraktiv machen kann, dessen Grenzen von Anfang an sichtbar sind. Das ist mutig – und wirtschaftlich keineswegs ohne Risiko.
Ohne Datenblatt bleibt die Bewertung vorerst offen
Bislang nennt Smart weder Batteriegröße noch Leistung, Reichweite, Preis oder einen präzisen Zeitplan für das Serienmodell. Für ein Konzeptfahrzeug ist das nicht ungewöhnlich, schränkt die Einordnung aber deutlich ein. Ein elektrischer Zweisitzer kann in der Innenstadt sehr schlüssig wirken und außerhalb des urbanen Umfelds schnell an Grenzen stoßen. Alles hängt am Kompromiss aus Kompaktheit, Alltagstauglichkeit, Kosten und realem Nutzungsprofil.
Hinzu kommt die übliche Hürde vom Showcar zur Serie. Besonders auffällige Designmerkmale schaffen Aufmerksamkeit, fallen auf dem Weg zur Industrialisierung aber oft weg. Smart muss also erst noch zeigen, dass der #2 mehr wird als ein hübsch inszeniertes Versprechen. Eine gelungene Mikro-Citadine definiert sich nicht über einen starken Auftritt allein, sondern über ein sauber abgestimmtes Fahrwerk, einen passenden Wendekreis, einfache Bedienbarkeit und einen Preis, der das Konzept nicht von Beginn an aushebelt.






Wenn Smart liefert, könnte eine fast vergessene Nische zurückkommen
Der Concept #2 eröffnet am Ende eine selten gewordene Perspektive: ein Stadtauto, das ohne Ausflüchte konsequent für die Stadt gedacht ist. Bleibt das Serienmodell dieser Linie treu, könnte Smart wieder ein klar umrissenes Profil gewinnen – während viele Hersteller im selben Formfaktor nur Variationen bekannter Rezepte anbieten. In einer Autowelt voller hoher Karosserien und ähnlicher Versprechen kann genau diese Eigenständigkeit wieder zum Vorteil werden.
Allerdings muss diese Besonderheit auch zum Budget und zu den realen Erwartungen der Kundschaft passen. Ein elektrischer Premium-Zweisitzer sieht auf dem Pressefoto attraktiv aus, auf dem Kaufvertrag wird die Rechnung oft deutlich nüchterner. Darauf wird man achten müssen: Preis, Reichweite, praktische Qualitäten und die Frage, ob der #2 mehr kann als nur an den Fortwo zu erinnern. Die Grundidee ist schlüssig. Jetzt muss Smart beweisen, dass sie im Alltag trägt.
Unterm Strich
- Smart bereitet mit dem Concept #2 einen künftigen elektrischen smart #2 als Zweisitzer vor.
- Das Projekt ist eine klare Rückbesinnung auf den Fortwo und auf konsequente urbane Mobilität.
- Beim Design setzt Smart auf einen hochwertigeren, stärker inszenierten Auftritt.
- Die Weltpremiere ist für den 22. April 2026 in Peking angesetzt und Teil einer globalen Strategie.
- Technische Daten liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.
- Der Erfolg hängt vor allem daran, ob Smart den echten Zweisitzer in der Stadt wieder glaubhaft positionieren kann.
Am Ende dürfte die künftige smart #2 vor allem Menschen ansprechen, die überwiegend innerstädtisch unterwegs sind und ein radikal kompaktes Format suchen, das im Alltag leichter zu handhaben ist als ein klassischer Kleinwagen. Ohne Angaben zu Reichweite, Preis und Serienumfang wäre es aber verfrüht, schon von einem großen Comeback zu sprechen. Für viele bleibt eine etwas größere, vielseitigere Elektro-Kleinwagenlösung wohl die naheliegendere Wahl. Smart versucht bewusst etwas anderes – und genau das macht diese Ankündigung relevant.
