Lucas di Grassi hat angekündigt, seine Karriere als Profirennfahrer nach der Formel-E-Saison 2025/2026 zu beenden. Für die Elektroserie ist das mehr als nur ein weiterer Abschied: Damit verschwindet eines der prägenden Gesichter aus der Gründungszeit.

La Formule E en un clic verliert damit einen ihrer bekanntesten Namen. Die Nachricht ist vor allem deshalb relevant, weil sie den Wandel der Serie sichtbar macht: Aus einem mutigen Elektroprojekt ist längst ein fester Bestandteil des Motorsports geworden, und die ersten Protagonisten treten nach und nach ab.
Der Abschied kommt nicht abrupt
Di Grassi machte in Berlin öffentlich, dass 2026 seine letzte Saison als Profifahrer sein wird. Er zieht sich also nicht sofort zurück, sondern beendet das laufende Jahr noch mit Lola, bevor in London am 15. und 16. August die letzten Läufe anstehen.

Genau dieser Zeitpunkt ist sportlich nicht nebensächlich. In der Formel E können Rennen und Strategie die Rangfolge noch spät verschieben, deshalb bekommt ein angekündigtes Karriereende immer auch eine Wettbewerbsdimension. Di Grassi lässt sich ein letztes Kapitel offen.
Ein Fahrer, der von Anfang an auf Strom setzte
Seine Rolle in der Geschichte der Formel E geht weit über Ergebnisse hinaus. Di Grassi war 2014 bei der Premiere der Serie dabei und gewann in Peking das erste Rennen der Meisterschaft. Damit ist er nicht nur Teil der Geschichte, sondern eines ihrer ersten Kapitel.
Seitdem hat er jede Saison bestritten. Diese Kontinuität ist in einer noch jungen Serie ungewöhnlich und zeigt, wie sehr die Formel E in ihren Anfangsjahren auf Fahrer angewiesen war, die das Konzept früh getragen haben. Ohne solche Namen wäre der Aufbau deutlich schwerer gewesen.
Starke Bilanz, zuletzt aber weniger Ertrag
Sportlich gehört der Brasilianer weiterhin zu den erfolgreichsten Fahrern der Serie. Den Titel holte er 2016/2017 mit Abt, dazu kommen 13 Siege. In einem Feld, in dem Details bei Reifenmischung, Motormodus und Renntrimm oft den Ausschlag geben, bleibt diese Bilanz bemerkenswert.
Die jüngere Vergangenheit fällt jedoch deutlich nüchterner aus. Seit 2023 kam er nicht mehr über Rang 15 in der Meisterschaft hinaus, und in den ersten sechs Rennen der Saison 2025/2026 blieb er mit Lola ohne Punkt. Das zeigt, wie schnell sich die Formel E verändert: Erfahrung hilft, ersetzt aber keine aktuelle Entwicklungsrate.
Ruhiger Ton, klare Einordnung
Di Grassi selbst betonte vor allem die emotionale Seite seiner Entscheidung. Er sprach von einem Leben in der Konkurrenz, von einer Karriere, die ihn über viele Jahre geprägt habe, und von einem Entschluss im Kreis der Familie. Das wirkt nicht pathetisch, sondern kontrolliert.
Für die Formel E passt das ins Bild. Die Serie lebt seit ihren Anfängen von Fahrern, die nicht nur Ergebnisse liefern, sondern das Projekt auch öffentlich mittragen. Di Grassi hat diesen Anspruch über Jahre erfüllt und war damit mehr als ein reiner Teilnehmer.
Ein weit gefasster Motorsport-Lebenslauf
Wer ihn nur mit der Elektroserie verbindet, greift zu kurz. Der Brasilianer wurde 2016 mit Audi Vize-Weltmeister in der Langstrecke, in seiner letzten von drei kompletten WEC-Saisons. Außerdem holte er drei Podestplätze bei den 24 Stunden von Le Mans für den deutschen Hersteller.
Davor fuhr er 2010 in der Formel 1 für Virgin Racing und verlor das Cockpit für 2011 an Jérôme d’Ambrosio. Diese Stationen zeigen, dass seine Laufbahn nicht gradlinig verlief. Wie viele Fahrer seiner Generation musste er sich über mehrere Etappen behaupten und seine Chance immer wieder neu erarbeiten.
Was sein Rückzug über die Serie aussagt
Der angekündigte Abschied hat deshalb eine größere Bedeutung als eine bloße Personalie. Mit di Grassi verschwindet ein Fahrer, der die Elektroserie nicht nur sportlich, sondern auch inhaltlich geprägt hat. Genau solche Figuren gaben der einst belächelten Meisterschaft Glaubwürdigkeit.
Jeff Dodds, der Chef der Formel E, brachte das auf den Punkt: Di Grassi habe nicht nur Rennen gefahren, sondern die Mission der elektrischen Mobilität von Beginn an unterstützt. Für die Serie ist das ein wichtiger Unterschied. Denn Akzeptanz entsteht nicht allein über Technik, sondern auch über Gesichter, die ein Projekt tragen.
Die letzten Rennen zählen auf einer anderen Ebene
Konkrete Pläne für die Zeit nach dem Cockpit sind noch nicht genannt. Bis dahin bleibt offen, wie der Brasilianer seine Schlussphase angeht. Ein Fahrer ohne Zukunftsdruck kann befreiter agieren, zugleich wächst oft der Wunsch nach einem würdigen Abschluss.
Für die Formel E ist der Verlust trotzdem spürbar. Di Grassi steht für die Gründungsphase der Serie wie kaum ein anderer, und genau deshalb ist sein Abschied auch ein Signal für die kommenden Jahre. In einer Meisterschaft, die sich weiter professionalisiert, werden die letzten Pioniere zwangsläufig zu einer Randerscheinung.
Das Wichtigste zu Lucas di Grassis Abschied
- Lucas di Grassi beendet seine Karriere als Profirennfahrer nach der Formel-E-Saison 2025/2026.
- Er war 2014 einer der ersten Fahrer der Serie und gewann das erste Rennen in Peking.
- Zu seiner Formel-E-Bilanz gehören ein Titel und 13 Siege.
- In den vergangenen Jahren blieb der sportliche Ertrag deutlich hinter den früheren Resultaten zurück.
- Seine weiteren Pläne nach dem Ausstieg aus dem Cockpit sind noch offen.




